Fondsgebundene Rentenversicherung kündigen oder beitragsfrei stellen — was verliere ich?

Riester, Rürup, betriebliche Altersvorsorge, gesetzliche Rente
Schnäppchenjäger_Schorsc
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Re: Fondsgebundene Rentenversicherung kündigen oder beitragsfrei stellen — was verliere ich?

Beitrag von Schnäppchenjäger_Schorsc »

Okay ich bin jetzt kurz der Advocatus Diaboli hier ? Alle sagen "kündigen kündigen" — aber hat jemand mal überlegt ob man den Versicherer nicht auch einfach anrufen und auf bessere Fonds innerhalb der Police umschichten kann? Manche Anbieter haben inzwischen ETF-Tranchen im Angebot, auch wenn die Police alt ist. Das löst natürlich nicht das Grundproblem mit den Versicherungskosten, aber wenn die z.B. "nur" 1% betragen statt 3%, sieht die Rechnung schon anders aus. Norwin, welcher Anbieter ist das überhaupt? Wenn du das sagst, kann man vielleicht konkreter einschätzen ob da noch was zu retten ist oder ob das wirklich ein hoffnungsloser Fall ist ?
Portfoliopfleger_Pit
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Re: Fondsgebundene Rentenversicherung kündigen oder beitragsfrei stellen — was verliere ich?

Beitrag von Portfoliopfleger_Pit »

Schnäppchenjäger_Schorsch schrieb:hat jemand mal überlegt ob man den Versicherer nicht auch einfach anrufen und auf bessere Fonds innerhalb der Police umschichten kann? Das ist tatsächlich ein valider Punkt, den ich bei solchen Diskussionen oft vermisse. Fondswechsel (intern) sind bei vielen Policen kostenlos oder sehr günstig. Das Problem ist aber: Selbst wenn du von aktiven Fonds mit 1,5% TER auf günstigere Indexfonds innerhalb der Police wechselst, bleiben die Versicherungsmantelkosten. Die setzen sich zusammen aus Verwaltungskosten, Risikokosten für den eingeschlossenen Todesfallschutz (den kaum jemand wirklich braucht), und manchmal noch Abschlusskosten die über 5 Jahre verteilt werden. Bei einer 8 Jahre alten Police sind die Abschlusskosten in der Regel schon vollständig bezahlt — das ist sogar ein kleines Argument für Beitragsfreistellung, nicht für Kündigung. Du hast quasi die schlechteste Phase (Anfangskostenblock) schon hinter dir. Trotzdem: Wenn die laufenden Verwaltungskosten noch 1,5-2% p.a. des Vertragswerts fressen, ist das bei 5.900€ immer noch ca. 90-120€ pro Jahr die einfach weg sind. Das ETF-Depot schlägt das langfristig deutlich.
MediMicha
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Re: Fondsgebundene Rentenversicherung kündigen oder beitragsfrei stellen — was verliere ich?

Beitrag von MediMicha »

Ich hab vor einem Jahr eine ähnliche Entscheidung getroffen und kurz nachgerechnet, weil ich das gerne in konkreten Zahlen sehe: Annahme: 5.900€ Rückkaufswert, 30 Jahre bis zur Rente, Marktrendite 7% p.a. brutto. Im ETF-Depot (0,2% TER): Endwert nach 30 Jahren ≈ 43.200€ In der Police (3% Gesamtkosten, also 4% Netto): Endwert nach 30 Jahren ≈ 19.100€ Der Unterschied ist enorm. Das sind grob 24.000€ die durch Kosten vernichtet werden — und dabei hab ich noch nicht mal die weiteren 80€/Monat eingerechnet, die im ETF-Depot viel effektiver arbeiten würden. Natürlich sind das vereinfachte Modellrechnungen, aber die Größenordnung stimmt.
KassenzettelKlara
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Re: Fondsgebundene Rentenversicherung kündigen oder beitragsfrei stellen — was verliere ich?

Beitrag von KassenzettelKlara »

@MediMicha diese Zahlen ? das macht mich auch gerade ein bisschen unruhig weil ich mir gerade überlege ob meine eigene Rentenversicherung auch so ein Kostengrab ist... Norwin, ich drück dir die Daumen dass du das schnell geklärt kriegst! Ich finde es übrigens mutig, sowas hier so offen zu fragen — viele sitzen lieber auf so einem schlechten Vertrag weil sie sich schämen dass sie damals "ja" gesagt haben. Dabei hat das fast jeder gemacht ?
LehrlingLennart
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Re: Fondsgebundene Rentenversicherung kündigen oder beitragsfrei stellen — was verliere ich?

Beitrag von LehrlingLennart »

alter ich checke das nicht ganz, wenn du verlust gemacht hast zahlst du keine steuer? das klingt fast zu gut lol ? dachte immer der staat will überall seine hand aufhalten und was ist das halbeinkünfte ding genau, klingt wie ein pokemon angriff ?
SparenOderLeben_Sigi
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Re: Fondsgebundene Rentenversicherung kündigen oder beitragsfrei stellen — was verliere ich?

Beitrag von SparenOderLeben_Sigi »

@LehrlingLennart ? Halbeinkünfte-Verfahren ist tatsächlich ein guter Pokémon-Name. Kurze Erklärung: Wenn deine Lebens- oder Rentenversicherung länger als 12 Jahre läuft UND du das Geld erst nach dem 62. Geburtstag nimmst, musst du die Erträge nicht mit 25% Abgeltungssteuer versteuern, sondern nur die Hälfte der Erträge mit deinem persönlichen Steuersatz. Das war mal ein echter Vorteil — heute sind ETF-Depots trotzdem oft günstiger weil die Kosten so viel niedriger sind. Und ja: Wenn du keinen Gewinn gemacht hast, gibt's nichts zu versteuern. Der Staat greift bei Verlusten nicht noch mal rein — der nimmt ja dann auch keinen. Win-win, außer du hast halt Verlust gemacht ?
DispoZinsHasser_Dierk
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Re: Fondsgebundene Rentenversicherung kündigen oder beitragsfrei stellen — was verliere ich?

Beitrag von DispoZinsHasser_Dierk »

ich sag mal so: jede monat 80€ in diesen vertrag pumpen ist wie jede monat 80€ richtung nirwana schicken. ich würd da nicht lange überlegen, einfach kündigen und gut ist ? hab selbst ma einen riester nach 6 jahren hingeschmissen (ja ich weiß, riester ist nochmal anders), aber das gefühl danach wenn man weis das man nicht mehr monatlich in ein schwarzes loch zahlt — unbezahlbar
WienerWanderer_AT
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Re: Fondsgebundene Rentenversicherung kündigen oder beitragsfrei stellen — was verliere ich?

Beitrag von WienerWanderer_AT »

Ich komme aus Österreich, daher kurz zur Einordnung: In AT läuft das steuerlich ein bisschen anders (Versicherungssteuer statt Abgeltungssteuer-System), daher kann ich zur deutschen Steuerfrage nicht viel beitragen. Was ich aber sagen kann: Das Grundproblem — hohe Kosten, schlechte Performance, Vertreter der Hausbank hat's verkauft — ist hier genauso verbreitet. Ich hatte selbst eine ähnliche Erfahrung mit einer Erlebensversicherung und hab nach langen Überlegungen gekündigt. Was ich rückblickend empfehlen würde: Hol dir kurz eine Zweitmeinung von einem unabhängigen Versicherungsberater (in Deutschland z.B. über den Bund der Versicherten vermittelt, die bieten günstige Erstberatungen an). Die können den Vertrag lesen und sagen ob da noch versteckte Kosten oder Klauseln drin sind die man übersehen hat.
Frugalista_Felicitas
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Re: Fondsgebundene Rentenversicherung kündigen oder beitragsfrei stellen — was verliere ich?

Beitrag von Frugalista_Felicitas »

Ich war mal in fast identischer Situation — fondsgebundene RV, 7 Jahre drin, Rückkaufswert unter Einzahlungen. Hab gekündigt, das Geld plus die freigewordene Monatssumme direkt in einen Sparplan auf den Vanguard FTSE All World gesteckt. Was danach passiert ist: In den ersten Wochen hatte ich komische Gefühle, so ein "hab ich jetzt was falsch gemacht"-Kribbeln. Das ist normal. Der Sunk-Cost-Bias ist real — man hängt an Entscheidungen die man getroffen hat, auch wenn sie objektiv schlecht waren. Nach einem Jahr war das weg. Ich schau jetzt auf ein Depot das sich tatsächlich nach oben bewegt und zahle 0,22% TER statt 3%. Das war die richtige Entscheidung. ? Norwin: Der "Trick" den du noch nicht kennst ist eigentlich keiner — es ist einfach Disziplin. Die 80€ die du jetzt nicht mehr in die Police zahlst, müssen sofort in den ETF-Sparplan. Nicht "erstmal auf dem Konto lassen".
SparschweinSprenger_Susi
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Re: Fondsgebundene Rentenversicherung kündigen oder beitragsfrei stellen — was verliere ich?

Beitrag von SparschweinSprenger_Susi »

sorry für necro aber ich hab diesen thread grad gefunden und muss kurz fragen ?? ich bin azubi und mein vater hat mir letzte woche auch so eine fondsgebundene rentenversicherung empfohlen als "altersvorsorge"... jetzt bin ich froh dass ich erstmal gegoogelt hab und hier gelandet bin ? also ich versteh das richtig: für junge leute ohne viel geld ist ein etf sparplan eigentlich fast immer besser als sowas? oder gibts einen fall wo das doch sinn macht?
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