BU-Versicherung trotz Bandscheibenvorfall — realistisch oder hoffnungslos?
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RenditeRalf_NRW
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BU-Versicherung trotz Bandscheibenvorfall — realistisch oder hoffnungslos?
Ich stehe gerade vor einer Situation, die mich ehrlich gesagt ein bisschen nervös macht. Vor etwa drei Jahren hatte ich einen Bandscheibenvorfall L4/L5 — klassisch, mit Ausstrahlung ins Bein, vier Wochen Krankschreibung, dann Physiotherapie, und seit gut zwei Jahren bin ich komplett beschwerdefrei. Kein Rezidiv, keine Dauermedikation, Sport mache ich auch wieder regelmäßig.
Jetzt möchte ich endlich eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen — ja, ich weiß, als Steuerberater hätte ich das früher angehen sollen, aber das Thema hat sich immer wieder verschoben. Mit Mitte 50 wird das natürlich nicht günstiger.
Meine Befürchtung: Entweder werde ich direkt abgelehnt, oder ich bekomme einen Wirbelsäulenausschluss reingeschrieben, der den halben Sinn der BU aushöhlt. Gerade als Bürojob — sitzendes Arbeiten — ist Rücken ja einer der häufigsten BU-Gründe überhaupt.
Ich habe gelesen, dass man über einen unabhängigen Makler sogenannte anonyme Voranfragen bei mehreren Gesellschaften gleichzeitig stellen kann, ohne dass das in der HIS-Datenbank landet. Stimmt das so? Hat hier jemand konkrete Erfahrungen damit gemacht?
Und: Welche Anbieter sind bei Rückenvorgeschichte erfahrungsgemäß kulanter — Allianz, Nürnberger, Münchener Leben, Zurich? Ich lese überall andere Meinungen und würde gerne echte Nutzererfahrungen hören, nicht Makler-Broschüren.
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GrenzgängerGabi_AT
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Re: BU-Versicherung trotz Bandscheibenvorfall — realistisch oder hoffnungslos?
Also das mit der anonymen Voranfrage stimmt tatsächlich — das ist in Deutschland gängige Praxis bei guten Maklern. Der Makler stellt die Anfrage ohne deinen Namen, nur mit deinen Gesundheitsdaten, und die Gesellschaft gibt eine unverbindliche Einschätzung zurück. Das landet nicht in der HIS (Hinweis- und Informationssystem der Versicherer), solange keine echte Antragstellung erfolgt.
In Österreich läuft das ein bisschen anders, aber ich habe das vor zwei Jahren für meinen Mann in Deutschland so gemacht — er hatte früher Kniebeschwerden. Wir haben einen Makler beauftragt der gleichzeitig bei ca. 6-8 Gesellschaften angefragt hat. Ergebnis war bunt gemischt: zwei Ausschluss, zwei Risikozuschlag, zwei normale Annahme. Man sieht also schnell wo man steht, ohne sich irgendwo festzulegen.
Für einen Bandscheibenvorfall der vollständig ausgeheilt ist würde ich mir ehrlich gesagt nicht zu viele Sorgen machen. Das kommt auf die genaue Dokumentation an — wie lang war die Behandlung, gab es eine OP?
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CashbackCasimir
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Re: BU-Versicherung trotz Bandscheibenvorfall — realistisch oder hoffnungslos?
kurze Ergänzung dazu: ich hab das selber letztes Jahr durchgezogen, auch mit Rückenhistorie (bei mir L5/S1, keine OP aber MRT und Physiotherapie über 6 Monate). Makler war von Policen Direkt, die machen das mit den anonymen Voranfragen seriös und haben mir die Rückmeldungen aller Gesellschaften in einer übersichtlichen Tabelle geschickt. ?
Ergebnis bei mir: Nürnberger und Swiss Life haben ohne Ausschluss angenommen, Allianz wollte Wirbelsäulenausschluss, zwei andere haben abgelehnt. Am Ende bin ich bei der Swiss Life gelandet, Rente 2.500€, Laufzeit bis 67 — Beitrag war okay für mein Alter.
Also: anonyme Voranfrage ist kein Mythos, funktioniert wirklich. Einfach keinen Direktantrag bei einer Gesellschaft stellen ohne vorher zu wissen wie die drauf sind. Das wäre der größte Fehler den man machen kann ?
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Netto_Norwin
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Re: BU-Versicherung trotz Bandscheibenvorfall — realistisch oder hoffnungslos?
alter ich stell mir grad vor wie ich als Lagerist ne BU beantrage mit Rücken lmao. die würden mich wohl direkt in den Schredder werfen ? du als Steuerberater sitzt doch den ganzen tag am schreibtisch, das ist doch viel besser oder? keine ahnung obs stimmt aber ich dachte immer bürojobs kriegen leichter ne BU
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Sparfuchs1985
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Re: BU-Versicherung trotz Bandscheibenvorfall — realistisch oder hoffnungslos?
@Netto_Norwin stimmt tatsächlich — die Berufsgruppe spielt eine große Rolle. Steuerberater landet bei den meisten Gesellschaften in einer der besseren Berufsgruppen (oft 1+ oder A), was den Beitrag deutlich senkt und die Risikoprüfung etwas entspannter macht. Körperliche Berufe wie Lagerist werden dagegen oft in schlechtere Gruppen eingestuft oder gar nicht erst angenommen.
@RenditeRalf_NRW: Was ich aus eigener Erfahrung sagen kann — bei der Risikoprüfung kommt es extrem auf die genaue Formulierung im Arztbericht an. Wenn da steht "vollständige Remission, keine Residualbeschwerden, Sport möglich" ist das was ganz anderes als "chronische Rückenschmerzen, gelegentliche Beschwerden". Lass dir idealerweise vom Hausarzt oder Orthopäden ein aktuelles Attest ausstellen das den heutigen Gesundheitszustand beschreibt.
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FreigeistFranzi
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Re: BU-Versicherung trotz Bandscheibenvorfall — realistisch oder hoffnungslos?
ich hatte ähnliche Panik als ich meine BU als Freiberuflerin abschließen wollte ? bei mir war's keine Rückengeschichte sondern Psychotherapie in der Vergangenheit (noch schlimmer wahrscheinlich)
Aber: anonyme Voranfrage hat auch bei mir funktioniert. Ich hab's über einen unabhängigen Makler aus Berlin gemacht, der sich auf Kreativberufe spezialisiert hat. Das war wirklich sinnvoll weil der wusste bei welchen Gesellschaften Freiberufler generell besser ankommen.
Mein Tip: frag den Makler auch explizit wie er mit den Gesundheitsfragen umgeht — ein guter Makler erklärt dir genau was du angeben musst und was nicht mehr relevant ist weil der Zeitraum zu lang zurückliegt. Manche Gesellschaften fragen nur 5 Jahre zurück, andere 10 ?
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VersicherungsVerdrossene
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Re: BU-Versicherung trotz Bandscheibenvorfall — realistisch oder hoffnungslos?
Ich will hier mal die Gegenperspektive einbringen, auch wenn ich wahrscheinlich gleich als Spielverderber gelte.
Wirbelsäulenausschluss bei BU ist nicht automatisch wertlos. Klar, Rücken ist ein häufiger BU-Grund — aber wenn du als Steuerberater BU wirst, dann meistens wegen Herzerkrankungen, Krebs, oder psychischen Erkrankungen, nicht wegen des Rückens. Statistisch. Für einen 50-Jährigen Mann sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen der mit Abstand häufigste BU-Grund.
Ich sag nicht, dass du den Ausschluss akzeptieren sollst — versuch ihn zu vermeiden. Aber wenn du am Ende nur ein Angebot mit Wirbelsäulenausschluss bekommst, würde ich das nicht sofort in die Tonne treten. Kommt halt drauf an wie der Ausschluss formuliert ist.
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Riestern_oder_nicht
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- Registriert: Mo Mär 29, 2021 10:00 pm
Re: BU-Versicherung trotz Bandscheibenvorfall — realistisch oder hoffnungslos?
Was ich noch ergänzen wollte: Manche Versicherer haben inzwischen sogenannte "vereinfachte Gesundheitsfragen" für bestimmte Aktionen oder Tarife — da wird weniger tief gebohrt. Das lohnt sich zu prüfen, auch wenn die Renten da oft gedeckelt sind (z.B. max. 1.500 € Monatsrente ohne vollständige Gesundheitsprüfung).
Für jemanden der eine höhere BU-Rente braucht ist das natürlich nicht die Lösung, aber als Ergänzung zu einem Angebot mit Ausschluss könnte man das theoretisch kombinieren. Sowas sollte ein Makler kennen.
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GrenzgängerGabi_AT
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Re: BU-Versicherung trotz Bandscheibenvorfall — realistisch oder hoffnungslos?
VersicherungsVerdrossener_Veit schrieb:Wirbelsäulenausschluss bei BU ist nicht automatisch wertlos.
Das stimmt, aber ich würde trotzdem darauf achten wie der Ausschluss formuliert ist. Es gibt Ausschlüsse die nur "Erkrankungen der Lendenwirbelsäule" betreffen und solche die pauschal "alle Erkrankungen der Wirbelsäule und des Stütz- und Bewegungsapparates" ausschließen. Letzteres ist deutlich weitreichender und würde zum Beispiel auch Arthrose, Bandscheibenverschleiß im HWS-Bereich etc. erfassen.
Das ist dann wirklich ein erheblicher Einschnitt. Also: Ausschluss genau lesen, nicht nur hinnehmen.
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SchnäppchenjägerSven
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Re: BU-Versicherung trotz Bandscheibenvorfall — realistisch oder hoffnungslos?
Konkrete Anbieternamen die bei Rücken erfahrungsgemäß kulanter sind — ich hab das mal auf einem Versicherungsforum recherchiert und aus verschiedenen Quellen zusammengesammelt:
- Nürnberger: gilt allgemein als relativ entspannt bei ausgeheilten Rückenleiden
- Swiss Life: ähnlicher Ruf, bestätigt auch von @CashbackCasimir oben
- Baloise: kommt aus der Schweiz, ist in Deutschland aktiv, soll bei Rücken manchmal gnädiger sein als die großen deutschen
- Allianz: eher konservativ bei Rücken, öfter Ausschlüsse oder Zuschläge
- Generali: sehr unterschiedlich je nach Einzelfall
Aber ehrlich gesagt: das ändert sich ständig, Gesellschaften überarbeiten ihre Risikorichtlinien. Deshalb ist die anonyme Voranfrage über einen Makler wirklich der einzig sinnvolle Weg um aktuelle Info zu kriegen. ?