Altersvorsorge als Beamter – reicht die Pension oder trotzdem privat vorsorgen?

Riester, Rürup, betriebliche Altersvorsorge, gesetzliche Rente
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MieteOderKauf_Moritz
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Altersvorsorge als Beamter – reicht die Pension oder trotzdem privat vorsorgen?

Beitrag von MieteOderKauf_Moritz »

Moin zusammen, ich frag mal für einen Kumpel, der seit zwei Jahren verbeamteter Grundschullehrer in Brandenburg ist (A12, Endstufe irgendwann A13). Der hat mich letzte Woche gefragt, ob er überhaupt privat vorsorgen muss — wegen der Pension und so. Ich bin Softwareentwickler, kein Finanzmensch, aber ich finde die Frage eigentlich spannend genug, um sie hier mal reinzuwerfen. Also konkret: Beamte bekommen ja keine gesetzliche Rente, sondern eine Pension vom Dienstherrn. Mein Kumpel hat gelesen, dass das so ca. 71,75% des letzten Grundgehalts sind, wenn man lange genug dabei ist (glaube 40 Dienstjahre oder so). Das klingt erstmal gut. Aber: - Er hat gehört, dass Pensionen steuerlich immer mehr wie normale Renten behandelt werden sollen — stimmt das? - Lohnt sich eine private Krankenversicherung als Ergänzung oder läuft das sowieso über Beihilfe? - Gibt es Produkte, die speziell für Beamte sinnvoll sind? Er hat schon Werbung für irgendwelche Beamtenversicherungen gesehen, aber ob das Abzocke ist oder nicht — keine Ahnung. Er hat aktuell keine private Altersvorsorge außer der Pension. Ist Anfang 30, also noch etwas Zeit. Aber je früher man anfängt, desto besser, oder? Würd mich freuen wenn hier jemand ist, der das Thema kennt. Google spuckt mir nur Versicherungsvergleichsseiten aus, die natürlich alle irgendwas verkaufen wollen.
BausparkritikBernadette
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Re: Altersvorsorge als Beamter – reicht die Pension oder trotzdem privat vorsorgen?

Beitrag von BausparkritikBernadette »

Das ist ein Thema, bei dem leider sehr viel Halbwissen kursiert — auch unter Beamten selbst. Ich versuche mal, die wichtigsten Punkte zu strukturieren. Zur Besteuerung: Pensionen wurden nie wie Renten besteuert — sie unterlagen schon immer voll der Einkommensteuer, ohne Übergangsfreibeträge wie bei der gesetzlichen Rente. Das Argument "Pensionen werden zukünftig stärker besteuert" ist daher etwas unscharf. Was stimmt: Es gibt Diskussionen über eine stärkere Harmonisierung der Besteuerung von Renten und Pensionen, aber das ist politisch noch nicht konkret beschlossen. Aktuell zahlen Pensionäre tatsächlich mehr Steuern als Rentner mit gleichem Bruttoversorgungsbezug. Zur Höhe: Die 71,75% klingen gut, beziehen sich aber auf das Ruhegehalt vor Steuern und vor dem PKV-Eigenbeitrag. Nettoeffekt ist je nach Steuersatz und PKV-Kosten spürbar geringer. Wer z.B. als Pensionär 3.500 € Bruttopension hat, zahlt darauf reguläre Einkommensteuer. Zur PKV: Beamte haben Anspruch auf Beihilfe (in Brandenburg typischerweise 50% im aktiven Dienst, 70% im Ruhestand), müssen aber den Rest selbst versichern. Im Alter wird die PKV teurer — das ist ein reales Kostenrisiko, das oft unterschätzt wird. Fazit: Rein auf die Pension zu setzen ist nicht per se falsch, aber es gibt echte Lücken. Ein ETF-Sparplan ist für Beamte genauso sinnvoll wie für jeden anderen. Spezielle "Beamtenprodukte" sind meistens teure Versicherungsmäntel — ich würde da skeptisch bleiben.
HäuslebauHorst_BW
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Re: Altersvorsorge als Beamter – reicht die Pension oder trotzdem privat vorsorgen?

Beitrag von HäuslebauHorst_BW »

Was Bernadette sagt stimmt alles, ich würd nur noch einen Punkt ergänzen den viele vergessen: die Pensionshöhe hängt auch stark davon ab ob dein Kumpel wirklich bis zur Pension durchhält. Wenn er mit 45 aus gesundheitlichen Gründen dienstunfähig wird, sieht die Rechung ganz anders aus. Dann greift die Dienstunfähigkeitsrente und die ist deutlich magerer. Ich kenn das von meinem Schwager, der war Polizist, mit 48 raus wegen Rücken. Hat dann gemerkt dass er eigentlich nix auf der Seite hatte. Beim Beamten lohnt sich meiner Meinung nach eine Dienstunfähigkeitsversicherung fast mehr als klassische Altersvorsorge — zumindest solange man jung ist.
Versicherungsmuffel_Vikt
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Re: Altersvorsorge als Beamter – reicht die Pension oder trotzdem privat vorsorgen?

Beitrag von Versicherungsmuffel_Vikt »

HäuslebauHorst_BW schrieb:die Pensionshöhe hängt auch stark davon ab ob dein Kumpel wirklich bis zur Pension durchhält Jep, Dienstunfähigkeit ist das echte Risiko. Aber: eine gute DU-Versicherung für Lehrer ist nicht trivial zu bekommen und nicht billig. Viele Versicherer schließen psychische Erkrankungen aus — und das ist bei Lehrern statistisch gesehen der häufigste Grund für Dienstunfähigkeit. Würde dem Kumpel empfehlen, wenn überhaupt eine Absicherung, dann eine ohne solche Ausschlüsse. Anbieter wie Allianz, Nürnberger oder Württembergische haben Beamtentarife — aber die Bedingungen genau lesen. Speziell auf den Passus zu psychischen Erkrankungen achten. Zur privaten Altersvorsorge: ETF-Sparplan, fertig. Keine aufgeblasenen Beamtenrenten-Produkte mit versteckten Abschlusskosten.
KontoKündigerin_Karla
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Re: Altersvorsorge als Beamter – reicht die Pension oder trotzdem privat vorsorgen?

Beitrag von KontoKündigerin_Karla »

Ich bin zwar keine Beamtin, aber ich hab mal für eine Freundin (Lehrerin, Bayern, A13) recherchiert und das Thema PKV im Alter hat mich echt erschreckt ? Die zahlt jetzt mit Mitte 30 ca. 280€/Monat für ihre PKV. Mit 65 können das locker 600-800€ sein, je nach Tarif und Gesundheitszustand. Und die Beihilfe deckt nur 70% — also bleiben ihr selbst im Ruhestand noch 200-250€ Eigenanteil. Das klingt erstmal okay, aber zusammen mit Steuern auf die Pension frisst das echt was weg. Was manche machen: schon früh in den PKV-Tarif eine Rückstellungskomponente einbauen lassen, damit die Beiträge im Alter nicht so explodieren. Muss man halt mit der Versicherung verhandeln bzw. gezielt auswählen. ? Ansonsten: +1 zu ETF. Ich versteh nicht warum irgendwer einem Beamten eine Rentenversicherung mit Garantiezins von 0,25% andrehen will. Das ist doch Schwachsinn.
LehrlingLennart
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Re: Altersvorsorge als Beamter – reicht die Pension oder trotzdem privat vorsorgen?

Beitrag von LehrlingLennart »

warte mal kurz — beamte kriegen also keine rente?? das wusst ich echt nicht ? ich dachte die zahlen einfach mehr in die rentenkasse ein oder so und 71% vom letzten gehalt klingt nach nem deal ehrlich. ich krieg mal 67% von meinem lächerlichen rentenpunkt-gesammel wenn ich überhaupt so lange durchhalte lol
BausparkritikBernadette
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Re: Altersvorsorge als Beamter – reicht die Pension oder trotzdem privat vorsorgen?

Beitrag von BausparkritikBernadette »

@LehringLennart — kurze Klarstellung: Beamte zahlen tatsächlich keine Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung und auch keine zur Arbeitslosenversicherung. Der Dienstherr finanziert die Pension direkt aus dem Staatshaushalt, es gibt kein angespartes Kapital dahinter. Das ist der Grund, warum das System langfristig unter Druck steht — die Versorgungsausgaben der Länder steigen erheblich, weil die geburtenstarken Jahrgänge jetzt in Pension gehen. Die 71,75% klingen gut, sind aber eben brutto. Und sie setzen voraus, dass man tatsächlich 40 Dienstjahre erreicht. Wer mit 32 verbeamtet wird und mit 67 in Pension geht, kommt auf 35 Jahre — das wären dann nur noch ca. 63% des Ruhegehaltssatzes.
HäuslebauHorst_BW
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Re: Altersvorsorge als Beamter – reicht die Pension oder trotzdem privat vorsorgen?

Beitrag von HäuslebauHorst_BW »

@MieteOderKauf_Moritz sag deinem Kumpel auch noch: Beamte können nicht einfach in die Riester-Rente einzahlen wie Arbeitnehmer (zumindest nicht mit voller Förderung — das hat sich irgendwann mal geändert, bin nicht 100% aktuell). Aber Rürup geht, und da gibt es Steuervorteile. Ob das sinnvoll ist hängt davon ab wieviel er verdient und wie hoch sein Steuersatz ist. Für einen A12-Lehrer Mitte 30 würd ich persönlich sagen: erst mal einen ordentlichen ETF-Sparplan aufsetzen (100-200€/Monat reichen zum Anfang), DU-Versicherung prüfen, und dann mit nem unabhängigen Honorarberater reden. Nicht mit einem der auf Provision arbeitet. Der Unterschied ist enorm was die Produktempfehlungen angeht.
Versicherungsmuffel_Vikt
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Re: Altersvorsorge als Beamter – reicht die Pension oder trotzdem privat vorsorgen?

Beitrag von Versicherungsmuffel_Vikt »

Noch ein Punkt der hier noch nicht kam: Immobilie als Altersvorsorge. Für Beamte mit sicherem Einkommen und guter Bonität ist das Konditionen-mäßig oft besonders attraktiv. Wer im Alter mietfrei wohnt, braucht weniger Pension — das relativiert die ganze Steuer- und PKV-Diskussion ein bisschen. Ist natürlich nicht für jeden möglich und hängt vom Standort ab. Aber als Ergänzung zur Pension hat das für viele Beamte mehr Sinn als eine weitere Versicherung.
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