Riester mit 38 Jahren noch sinnvoll? Lohnt sich der Einstieg noch?
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RentnerKarlheinz
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Riester mit 38 Jahren noch sinnvoll? Lohnt sich der Einstieg noch?
Guten Tag zusammen,
ich stelle hier eine Frage für meinen Neffen, der mich darum gebeten hat — ich bin da ehrlich gesagt nicht ganz auf dem Laufenden, aber vielleicht kann die Gemeinschaft hier helfen.
Er ist 38 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Kinder (8 und 11 Jahre alt) und arbeitet als Angestellter mit einem Bruttoeinkommen von ungefähr 52.000 Euro im Jahr. Bisher hat er keinerlei Riester-Vertrag abgeschlossen, was er jetzt ein bisschen bereut. Die Frage ist: Lohnt sich der Einstieg beim Riester Alter 38 überhaupt noch, oder ist da der Zug schon abgefahren?
Ich habe ihm gesagt, dass er ja zwei Kinder hat und somit Kinderzulagen bekommt — das wären ja immerhin 185 Euro pro Kind pro Jahr, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Dazu noch die Grundzulage von 175 Euro. Das macht zusammen 545 Euro, die der Staat quasi dazugibt. Das klingt doch nicht schlecht.
Aber er macht sich Sorgen wegen der Abschlusskosten mancher Anbieter (er hat gelesen, dass die ersten Jahre kaum was angespart wird, weil die Kosten so hoch sind) und wegen der Tatsache, dass man das Geld bis 67 quasi festlegt. Außerdem hat er gelesen, dass im Alter die Auszahlung voll versteuert werden muss.
Die Alternative wäre, das Geld einfach in einen ETF-Sparplan zu stecken, wo er mehr Flexibilität hätte.
Was meint ihr dazu? Lohnt sich Riester mit 38 noch, oder lieber die Finger davon lassen?
Vielen Dank im voraus!
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FinanzFinn
- Beiträge: 18
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Re: Riester mit 38 Jahren noch sinnvoll? Lohnt sich der Einstieg noch?
okay also erstmal: die Zulagen hast du fast richtig — 175 Grundzulage + 185 pro Kind (für Kinder ab 2008 geboren sogar 300€ pro Kind!). Musst du also nochmal checken welches Jahr deine Kinder geboren sind ?
Zum eigentlichen Thema: Mit 38 hat er noch fast 30 Jahre bis zur Rente. Das ist definitiv nicht zu spät. Das Problem ist eher welcher Anbieter. Klassische Riester-Versicherungen von Allianz, ERGO etc. = Kostenfalle. Da frisst dir der Versicherungsmantel locker 10-15% der Beiträge in den ersten Jahren weg.
Wenn, dann würde ich zu einem Riester-Fondssparplan oder einem Wohn-Riester schauen. Oder halt einfach ETF. Für jemanden der nicht auf die Steuererstattung angewiesen ist, würde ich fast immer ETF sagen. ?
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PeterOhnePlan
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Re: Riester mit 38 Jahren noch sinnvoll? Lohnt sich der Einstieg noch?
ey ich hab selbst mal kurz riester gehabt, dann wieder gecancelt weil ich den papierkram nicht mehr blickt hab ? ernsthaft, allein das mit den förderschädlichen entnahmen und dem mindestbeitrag und bla bla... das is nix für leute die keine lust auf bürokratie haben
sag deinem neffen er soll einfach nen vanguard ETF besparen und gut is. fertig. brauchste kein riester für
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MamiSpartHart
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- Registriert: Mo Okt 04, 2021 10:00 pm
Re: Riester mit 38 Jahren noch sinnvoll? Lohnt sich der Einstieg noch?
Also ich bin fast in der gleichen Situation wie dein Neffe — 40, zwei Kinder, Teilzeit. Ich hab vor zwei Jahren angefangen mit Riester und ich bereue es nicht, aber ich hab wirklich lange recherchiert vorher! ?
Wichtig: Meine Kinder sind 2009 und 2012 geboren — also bekomme ich für das jüngere Kind 300€ Zulage, für das ältere nur 185€. Das macht einen Unterschied! Dein Neffe sollte das unbedingt prüfen.
Ich hab mich für den UniProfiRente Riester-Fondssparplan entschieden, weil der im Vergleich zu Versicherungsprodukten deutlich günstigere Kosten hat. Die Abschlusskosten sind bei Fondssparplänen viel überschaubarer als bei klassischen Versicherungen.
Aber ehrlich gesagt: Wer ein gutes Einkommen hat und diszipliniert ist, fährt mit nem ETF-Sparplan langfristig wahrscheinlich besser. Die Flexibilität ist einfach unschlagbar. Ich hätte vielleicht auch den ETF-Weg genommen wenn ich damals mehr Ahnung gehabt hätte ??
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ETF-Henning
- Beiträge: 26
- Registriert: Di Jun 01, 2021 10:00 pm
Re: Riester mit 38 Jahren noch sinnvoll? Lohnt sich der Einstieg noch?
Ich versuch das mal etwas strukturierter aufzudröseln, weil hier einige Sachen durcheinandergeworfen werden.
Wann lohnt sich Riester wirklich?
- Geringes Einkommen + viele Kinder → Zulagenquote ist hoch, Steuervorteil relativ gering → Riester kann sich lohnen
- Hohes Einkommen, hoher Steuersatz → Steuerersparnis groß, aber Nachversteuerung im Alter auch → rechnen!
- Mittleres Einkommen (wie hier ~52k brutto) → meistens kein klarer Vorteil gegenüber ETF
Bei 52k brutto, zwei Kindern und 29 Jahren Laufzeit: Der Eigenanteil für den vollen Zulagenerhalt liegt bei 4% des Vorjahres-Bruttoeinkommens minus Zulagen. Also grob: 2080€ minus 545€ = 1535€ Eigenanteil pro Jahr (~128€/Monat).
Der Steuervorteil durch den Sonderausgabenabzug (max. 2100€) bringt bei ~35% Grenzsteuersatz ca. 735€ zurück — abzüglich der Zulagen (die schon eingerechnet sind) macht das netto vielleicht 150-200€ echten Steuervorteil extra. Den holt er sich im Alter als Nachversteuerung teilweise wieder zurück, wenn der Steuersatz im Rentenalter niedriger ist. Kann aufgehen, muss aber nicht.
Mein Fazit: ETF-Sparplan mit gleicher Rate schlägt bei seiner Einkommenssituation auf 20+ Jahre Riester mit hoher Wahrscheinlichkeit — wenn er die Disziplin hat, nicht dran zu gehen. ?
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VeronikaSpartKlug
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- Registriert: Mi Nov 02, 2022 11:00 pm
Re: Riester mit 38 Jahren noch sinnvoll? Lohnt sich der Einstieg noch?
Ich komme aus Österreich, wo es kein Riester-Äquivalent gibt, insofern kann ich nicht aus eigener Erfahrung sprechen. Aber ich beschäftige mich beruflich mit solchen Fragestellungen und möchte einen Punkt ergänzen, der hier noch nicht genannt wurde:
Das Langlebigkeitsrisiko. Ein ETF-Sparplan läuft aus, wenn das Geld aufgebraucht ist. Eine Riester-Rente zahlt bis zum Tod — egal wie alt man wird. Das ist für Menschen, die z.B. eine Familiengeschichte mit hoher Lebenserwartung haben, ein echter Vorteil, der sich in keiner Renditeberechnung abbilden lässt.
Außerdem: Riester-Guthaben ist im Insolvenzfall pfändungsgeschützt. Für manche Berufsgruppen oder Selbstständige (die Riester nutzen dürfen) kein unerheblicher Aspekt.
Das ändert nichts daran, dass die Produktwahl entscheidend ist. Ein teurer Versicherungsmantel frisst jeden Vorteil auf.
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Riestern_oder_nicht
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- Registriert: Mo Mär 29, 2021 10:00 pm
Re: Riester mit 38 Jahren noch sinnvoll? Lohnt sich der Einstieg noch?
Ich arbeite im öffentlichen Dienst und hab Riester seit meinem 32. Lebensjahr — mittlerweile bin ich 48 und ehrlich gesagt weiß ich immer noch nicht ob es die richtige Entscheidung war ?
Was mich am meisten ärgert: Ich hab damals einen klassischen Riester-Versicherungsvertrag bei der Debeka abgeschlossen, und die ersten vier Jahre sind buchstäblich in Abschluss- und Verwaltungskosten verschwunden. Der Rückkaufswert nach Jahr 3 war ein Witz. Wenn ich das nochmal machen würde, würde ich ausschließlich zu einem Fondssparplan ohne Ausgabeaufschlag greifen.
Der steuerliche Vorteil war bei mir real spürbar, weil ich in der Zeit relativ wenig verdient habe und die Kinderzulagen viel ausgemacht haben. Aber für jemanden mit 52k brutto und zwei älteren Kindern (die bald keine Kindergeldberechtigung mehr haben!) würde ich das sehr genau durchrechnen lassen.
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AzubiMitGroschemn
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- Registriert: So Feb 26, 2023 11:00 pm
Re: Riester mit 38 Jahren noch sinnvoll? Lohnt sich der Einstieg noch?
lol ich versteh von riester 0 aber selbst ich weiß das man da aufpassen muss wegen den kosten ? mein papa hat mal was davon erzählt das er jahrelang eingezahlt hat und kaum was rauskommt wenn er kündigt
@ETF-Henning deine tabelle ist krass, das hättest du nicht erklären müssen aber trotzdem nice ?
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BeritausHamburg
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- Registriert: Mo Jan 17, 2022 11:00 pm
Re: Riester mit 38 Jahren noch sinnvoll? Lohnt sich der Einstieg noch?
Ich bin Lehrerin und damit Beamtin — also für mich persönlich ist Riester gar nicht förderfähig, ich hab das VBL-Angebot. Aber ich hab mich trotzdem damit beschäftigt weil viele Kolleginnen, die noch nicht verbeamtet sind, fragen.
Was ich konkret sagen kann: Das Argument mit den Kindern stimmt, aber
Riestern_oder_nicht schrieb:für jemanden mit 52k brutto und zwei älteren Kindern (die bald keine Kindergeldberechtigung mehr haben!)
Das ist ein sehr wichtiger Punkt! Wenn die Kinder 18 werden, fällt die Kinderzulage weg. Bei einem 11-Jährigen hat man also noch ca. 7 Jahre Kinderzulage, beim 8-Jährigen noch ca. 10 Jahre. Danach schrumpft der jährliche Zulagenvorteil auf 175€ Grundzulage. Das sollte in jede Rentabilitätsrechnung eingepreist werden. ?
Mein ehrlicher Rat für deinen Neffen: Er soll sich eine unabhängige Beratung bei einem Verbraucherschutzzentrum holen (kostenpflichtig, aber seriös), die machen genau solche individuellen Vergleichsrechnungen. Das ist das Geld wert.
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ETF-Henning
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- Registriert: Di Jun 01, 2021 10:00 pm
Re: Riester mit 38 Jahren noch sinnvoll? Lohnt sich der Einstieg noch?
@BeritausHamburg guter Punkt mit der Verbraucherzentrale — kostet so 100-150€ für eine Einzelberatung, aber die rechnen das wirklich individuell durch und haben keine Provision zu verdienen. Das lohnt sich bei einer Entscheidung die 30 Jahre Auswirkung hat.
Noch ein Gedanke zum Abschluss: Falls dein Neffe sich für Riester entscheidet, bitte kein Versicherungsprodukt. Die Kombination Riester + Fondssparplan bei fairr.de oder die DWS TopRente Dynamic war lange eine der günstigsten Optionen. fairr wurde allerdings eingestellt — da müsste er nochmal aktuell schauen was der Stand ist. Der Markt hat sich verändert. ?