Gold ETF oder physisches Gold – was ist fürs Portfolio wirklich sinnvoller?

ETF-Sparpläne, Depots, Broker, Aktien, Anleihen
Antworten
Null_Schulden_Niko
Beiträge: 16
Registriert: Sa Nov 21, 2020 11:00 pm

Gold ETF oder physisches Gold – was ist fürs Portfolio wirklich sinnvoller?

Beitrag von Null_Schulden_Niko »

Moin zusammen, ich will endlich etwas Ordnung in mein Portfolio bringen und hab beschlossen: ca. 10% sollen in Gold. Klingt erstmal oldschool, aber ich bin der Meinung, dass das ne vernünftige Absicherung ist, wenn mal wieder irgendwo der Laden brennt. Jetzt steh ich aber vor der Frage: Gold-ETC (z.B. Xetra-Gold oder Euwax Gold II) oder halt echtes, anfassbares Gold in der Hand? Der ETC ist natürlich bequemer – kauf ich einfach über mein Depot bei der DKB, kein Lageraufwand, kein Herumtragen. Aber irgendwas in mir sagt: wenn wirklich mal alles den Bach runtergeht, hast du dann wirklich was in der Hand? Oder sitzt du da mit einem Zertifikat und der Broker ist pleite? ? Physisch wäre das Gegenteil: ich kauf mir nen Krügerrand oder Goldbarren, leg das irgendwo sicher hin – aber wohin eigentlich? Unterm Bett? Bankschließfach kostet ja auch wieder Geld. Und beim Kauf zahlt man ja auch mehr wegen der Spreads. Mein Portfolio ist aktuell bei knapp 40k, 10% wären also ~4.000 Euro. Nicht riesig, aber auch nicht nix. Was habt ihr da gemacht? Gibt's irgendnen klaren Sieger oder ist das wie immer ein "kommt drauf an"? ?
VergleichsViggo
Beiträge: 20
Registriert: Fr Nov 29, 2019 11:00 pm

Re: Gold ETF oder physisches Gold – was ist fürs Portfolio wirklich sinnvoller?

Beitrag von VergleichsViggo »

Gute Frage, hab mich selbst lange damit beschäftigt. Hier mal die Fakten kurz runtergebetet: Gold-ETC (physisch hinterlegt, z.B. Xetra-Gold oder Euwax Gold II): - Xetra-Gold: 0,36% p.a. Verwaltungsgebühr, physisch hinterlegt bei der Deutsche Börse Commodities GmbH, du hast theoretisch das Recht auf Auslieferung des Goldes (ab 100g für Xetra-Gold) - Euwax Gold II: 0% laufende Kosten (!), ebenfalls physisch hinterlegt, Auslieferungsrecht ab 1g – das ist der Killer-Vorteil - Steuerlich: nach einem Jahr Haltefrist komplett steuerfrei, genau wie physisches Gold Physisches Gold: - Spreads beim Kauf sind real – bei einem Krügerrand zahlst du je nach Händler 2-4% über Spot - Lagerkosten: Bankschließfach kostet 50-150€/Jahr je nach Bank, Heimtresor einmalig 200-500€ - Kein Kontrahentenrisiko, kein Broker, kein IT-System dazwischen Für 4.000€ würde ich persönlich Euwax Gold II nehmen und mir die Lagerkosten sparen. Das Auslieferungsrecht gibt dir die psychologische Sicherheit – und wenn wirklich alles zusammenbricht, sind Goldbarren auch nicht mehr das größte Problem.
KreditBremse_Kira
Beiträge: 13
Registriert: Mo Feb 13, 2023 11:00 pm

Re: Gold ETF oder physisches Gold – was ist fürs Portfolio wirklich sinnvoller?

Beitrag von KreditBremse_Kira »

okay ich steig mal kurz ein weil ich das in meiner BWL-Vorlesung letzte Woche hatten lol ? wichtig zu unterscheiden: ein Gold-ETC ist rechtlich KEIN ETF, sondern eine Schuldverschreibung. das heißt im Insolvenzfall des Emittenten bist du erstmal Gläubiger. bei physisch hinterlegten ETCs wie Xetra-Gold ist das Risiko zwar gering weil das Gold separat verwahrt wird, aber theoretisch ist es halt nicht dasselbe wie "du hast Gold". für 4k würd ich ehrlich gesagt einfach 2-3 Unzen Krügerrand kaufen (aktuell ca. 2.800-2.900€ für zwei) und den Rest in Euwax Gold II packen. beste aus beiden Welten oder so ?‍♀️
NordbankNorbert
Beiträge: 18
Registriert: Di Jun 02, 2020 10:00 pm

Re: Gold ETF oder physisches Gold – was ist fürs Portfolio wirklich sinnvoller?

Beitrag von NordbankNorbert »

Ich möchte hier eine Ergänzung einbringen, die in solchen Diskussionen oft untergeht. Die Unterscheidung zwischen einem physisch hinterlegten ETC und einem Zertifikat auf Gold ist fundamental. Was Kira anspricht, stimmt in der Theorie – rechtlich ist ein ETC eine Inhaberschuldverschreibung. Die Praxis bei Xetra-Gold oder Euwax Gold II sieht jedoch so aus, dass das Gold als Sondervermögen verwahrt wird und bei einer Insolvenz des Emittenten nicht in die Insolvenzmasse fällt. Das ist explizit im Prospekt geregelt und wurde nach der Finanzkrise 2008 entsprechend ausgestaltet. Was ich in meiner Praxis öfter sehe: Menschen kaufen physisches Gold emotional und ohne Konzept. Sie zahlen 3% Spread beim Kauf, lagern es in einem Schließfach für 80€/Jahr und vergessen dann, es beim Erbfall zu deklarieren. Das schafft mehr Probleme als es löst. Mein Rat für 4.000 Euro: Euwax Gold II über ein seriöses Depot. Einfach, günstig, steuerlich transparent. Physisches Gold erst ab einem Betrag, bei dem der Aufwand verhältnismäßig ist – ich würde sagen ab 20.000-30.000 Euro aufwärts.
KreditkartenKlaudi
Beiträge: 20
Registriert: Fr Nov 04, 2022 11:00 pm

Re: Gold ETF oder physisches Gold – was ist fürs Portfolio wirklich sinnvoller?

Beitrag von KreditkartenKlaudi »

NordbankNorbert schrieb:Menschen kaufen physisches Gold emotional und ohne Konzept. okay das hat mich getroffen weil ich letztes Jahr genau das gemacht hab ? hab mir spontan zwei Goldmünzen bei einem lokalen Händler gekauft, dafür deutlich zu viel gezahlt (der Typ war echt charmant, ngl) und jetzt liegen die in meiner Schublade weil ich kein Schließfach will. Also ja, Norbert hat recht. Emotional vs. rational ist hier der echte Kampf ✨ Für Nikos Fall: Euwax Gold II klingt nach dem sweet spot. Null laufende Kosten, du kannst dir das Gold theoretisch liefern lassen wenn du mal paranoid wirst, und alles läuft über dein normales Depot. Was will man mehr? ?‍♀️
Null_Schulden_Niko
Beiträge: 16
Registriert: Sa Nov 21, 2020 11:00 pm

Re: Gold ETF oder physisches Gold – was ist fürs Portfolio wirklich sinnvoller?

Beitrag von Null_Schulden_Niko »

Okay krass, danke euch – hab nicht erwartet dass das so schnell so viel Input kommt ? @VergleichsViggo die Übersicht mit den Kosten ist Gold wert (pun intended). Dass Euwax Gold II keine laufenden Kosten hat, wusste ich gar nicht. Muss ich nochmal nachlesen ob das wirklich 0% sind oder ob da irgendwo noch was versteckt ist. @KreditBremse_Kira den Punkt mit der Schuldverschreibung kannte ich, aber dass das Sondervermögen da rausfällt, beruhigt mich doch etwas. Gut zu wissen. Ich glaub ich mach das so: ich kauf mir für ca. 1.500€ eine Unze Goldbarren (lieber Barren als Münze, oder gibts da nen Unterschied?), den rest steck ich in Euwax Gold II. Dann hab ich beides – das gute Gefühl UND die Effizienz. Oder bin ich da zu kompliziert? ?
VergleichsViggo
Beiträge: 20
Registriert: Fr Nov 29, 2019 11:00 pm

Re: Gold ETF oder physisches Gold – was ist fürs Portfolio wirklich sinnvoller?

Beitrag von VergleichsViggo »

@Null_Schulden_Niko kurz zu Barren vs. Münze: steuerlich identisch (beide nach 1 Jahr steuerfrei). Der Unterschied liegt im Spread. Münzen wie Krügerrand oder Maple Leaf haben oft 3-5% Aufschlag, Barren von LBMA-zertifizierten Herstellern (Heraeus, Umicore, PAMP) liegen eher bei 1,5-3% je nach Größe. Grundregel: je größer der Barren, desto geringer der prozentuale Aufschlag. Ein 50g-Barren ist also effizienter als fünf 10g-Barren. Für 1.500€ würde ich einen 20g- oder 31,1g-Barren (= 1 Unze) schauen. Anbieter wie Pro Aurum, Goldsilbershop oder Aurosi haben da faire Preise, einfach kurz vergleichen. Dein Hybrid-Ansatz ist übrigens nicht kompliziert, sondern pragmatisch.
KreditBremse_Kira
Beiträge: 13
Registriert: Mo Feb 13, 2023 11:00 pm

Re: Gold ETF oder physisches Gold – was ist fürs Portfolio wirklich sinnvoller?

Beitrag von KreditBremse_Kira »

Sorry für Necro aber ich bin grad wieder auf den Thread gestoßen – Niko hast du das dann umgesetzt? ? würd mich interessieren wie das gelaufen ist, ich überleg selbst gerade ob ich mein erstes bisschen Gold kaufen soll. Die Preise sind ja seit dem Post hier nochmal ordentlich gestiegen lol ?
Antworten