Tagesgeld-Leiter vs. Festgeld-Leiter — hat das jemand mal konkret durchgerechnet?

Tagesgeld, Festgeld, Sparbücher, Zinsvergleiche
MinijobMaria_Münster
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Tagesgeld-Leiter vs. Festgeld-Leiter — hat das jemand mal konkret durchgerechnet?

Beitrag von MinijobMaria_Münster »

Hallo zusammen ? Ich hab letzte Woche einen Artikel über die sogenannte "Festgeld-Leiter" gelesen und fand das erstmal total schlau — also dass man z.B. 10.000 Euro aufteilt in 5 x 2.000 Euro, jedes Stück mit unterschiedlicher Laufzeit (3, 6, 9, 12 Monate usw.), damit immer was ausläuft und man trotzdem höhere Zinsen mitnimmt als beim reinen Tagesgeld. Klingt erstmal logisch. Aber ich hab mich dann gefragt: lohnt sich der ganze Aufwand mit mehreren Konten, mehreren Buchungen, mehreren Laufzeiten überhaupt? Und ab welchem Betrag macht das überhaupt einen spürbaren Unterschied? Ich hab nämlich gerade ca. 8.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto bei der ING liegen (aktuell 2,75% glaube ich, oder hat die schon wieder gesenkt? ?). Davon brauche ich ca. 3.000 als Notgroschen, den ich wirklich schnell verfügbar haben muss. Die restlichen 5.000 könnte ich aber prinzipiell für 6-12 Monate wegsperren. Hat jemand das mal mit echten Zahlen durchgerechnet? Also wirklich: Tagesgeld-Leiter vs. Festgeld-Leiter, was kommt am Ende mehr raus? Und rechnet sich das bei kleinen Beträgen wie bei mir überhaupt, oder ist das eher was für Leute mit 50.000+ auf dem Konto? Ich bin da ziemlich unerfahren und will keinen riesigen Verwaltungsaufwand für 12 Euro Mehrertrag im Jahr ?
ETF_Opa_Günni
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Re: Tagesgeld-Leiter vs. Festgeld-Leiter — hat das jemand mal konkret durchgerechnet?

Beitrag von ETF_Opa_Günni »

Gute Frage, Maria — und du hast schon das Richtige instinktiv gedacht: ab wann lohnt sich der Aufwand? Ich hab das vor zwei Jahren mal für mich durchgespielt, als die Zinsen wieder anzogen. Hier meine vereinfachte Rechnung: Angenommen du hast 5.000 Euro, die du anlegen willst. Tagesgeld aktuell ~2,75%, Festgeld 12 Monate ~3,40% (das war damals realistisch, heute schauen wir mal). Der Unterschied: 0,65 Prozentpunkte auf 5.000 Euro = 32,50 Euro brutto pro Jahr mehr beim Festgeld. Minus Abgeltungssteuer (26,375%) bleiben etwa 24 Euro netto mehr — wenn du deinen Sparerpauschbetrag schon ausgeschöpft hast. Bei einer echten Festgeld-Leiter mit 5 Tranchen à 1.000 Euro über verschiedene Laufzeiten ist der Effekt sogar etwas geringer, weil die kürzeren Tranchen weniger Zinsen bringen. Unterm Strich: bei 5.000 Euro reden wir von 15-25 Euro Mehrertrag pro Jahr gegenüber gutem Tagesgeld. Ist das viel? Nein. Ist es nichts? Auch nicht. Kommt drauf an wie viel dich das Verwalten nervt. ?
Geldschrauber_Tobi
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Re: Tagesgeld-Leiter vs. Festgeld-Leiter — hat das jemand mal konkret durchgerechnet?

Beitrag von Geldschrauber_Tobi »

Alter, 24 Euro netto mehr im Jahr... da fahr ich einmal weniger zur Tanke ? Ernsthaft aber: ich find die Festgeld-Leiter erst ab sowas wie 20k aufwärts wirklich spannend. Darunter ist der mentale Overhead einfach zu hoch. Ich hab das mal 3 Monate lang versucht mit vier verschiedenen Konten — ING, Consorsbank, Trade Republic... irgendwann war ich so genervt von den Benachrichtigungs-Mails dass ichs wieder aufgelöst hab lol.
Mod_Andrea_Finanztipps
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Re: Tagesgeld-Leiter vs. Festgeld-Leiter — hat das jemand mal konkret durchgerechnet?

Beitrag von Mod_Andrea_Finanztipps »

Zur Klarstellung für alle Mitleser: die Begriffe werden oft durcheinander geworfen, daher kurz: - Tagesgeld-Leiter: Eigentlich ein Konzept, bei dem man Tagesgeld bei mehreren Anbietern gleichzeitig nutzt, um Neukundenbonus-Zinsen abzugreifen, bevor man weiterzieht. Hoher Aufwand, wechselnde Konditionen. - Festgeld-Leiter: Klassische Staffelung mit festen Laufzeiten, wie Maria es beschrieben hat. Planbar, aber unflexibel. @ETF_Opa_Günni hat die Rechnung gut aufgestellt. Ich würde ergänzen: Wer seinen Sparerpauschbetrag (1.000 Euro für Einzelpersonen, 2.000 Euro für Verheiratete) noch nicht ausgeschöpft hat, bekommt den Mehrertrag steuerfrei — das verändert die Kalkulation ein bisschen zugunsten der Festgeld-Variante. Und für Maria konkret: Bei 5.000 Euro freiem Kapital würde ich persönlich erst gar keine Leiter bauen, sondern einfach das beste Festgeld-Angebot für 12 Monate nehmen. Einfacher, kaum weniger Ertrag.
FreigeistFranzi
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Re: Tagesgeld-Leiter vs. Festgeld-Leiter — hat das jemand mal konkret durchgerechnet?

Beitrag von FreigeistFranzi »

ich hab das auch mal probiert mit der Tagesgeld-Leiter ? drei monate lang neue konten eröffnet für die aktionszinsen... weißt du wieviel papierkram das ist als freiberuflerin wenn man für jeden steuerlichen nachweis alle kontoauszüge brauchst?? nie wieder lol ? bei der festgeld-leiter klingt das zumindest planbarer. aber ich glaub @ETF_Opa_Günni hat recht, unter 20k rechnet sich das kaum.
VeronikaSpartKlug
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Re: Tagesgeld-Leiter vs. Festgeld-Leiter — hat das jemand mal konkret durchgerechnet?

Beitrag von VeronikaSpartKlug »

Ich möchte hier eine etwas differenziertere Perspektive einbringen, weil ich das tatsächlich für mich durchmodelliert habe (bin Controllerin, ich kann nicht anders ?). Ich habe eine Festgeld-Leiter mit 24.000 Euro und 6 Tranchen à 4.000 Euro aufgebaut, jeweils mit 2-, 4-, 6-, 8-, 10- und 12-Monatslaufzeiten. Das Ergebnis gegenüber reinem Tagesgeld (damals 3,5% bei Weltsparen vs. Festgeld-Durchschnitt ~3,85%): ca. 84 Euro Mehrertrag brutto pro Jahr. Das klingt nicht viel, aber ich habe dafür einmal im Quartal ca. 20 Minuten Verwaltungsaufwand. Das entspricht einem Stundenlohn von über 100 Euro für meine "Finanzstunden" — das nehme ich mit. Für Maria mit 5.000 Euro wären das hochgerechnet etwa 17-18 Euro Mehrertrag. Das ist tatsächlich die Grenze, wo ich persönlich sagen würde: einfaches 12-Monate-Festgeld reicht völlig. Ach ja: In Österreich sind die Festgeldangebote über Savedo/Weltsparen ebenfalls nutzbar, das nur am Rande.
KryptoKritikerin_Kathi
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Re: Tagesgeld-Leiter vs. Festgeld-Leiter — hat das jemand mal konkret durchgerechnet?

Beitrag von KryptoKritikerin_Kathi »

Ok ich sag mal was unpopuläres: wer mit 5k auf dem Tagesgeldkonto sitzt und über Festgeld-Leitern nachdenkt, sollte sich vielleicht erstmal fragen ob der Notgroschen wirklich 3.000 Euro sein muss oder ob 2.000 auch reichen würden ? Dann hätte Maria 6k für Festgeld und der Unterschied zur Leiter wäre halt... immer noch nicht riesig, aber immerhin ? Ich finds gut dass du drüber nachdenkst Maria, aber mach dir keinen Stress deswegen. Die paar Euro die du durch eine Leiter mehr kriegst holen dich nicht aus der Altersarmut und bringen dich auch nicht dahin. Einfach das beste Angebot nehmen und gut ist.
KontoKündigerin_Karla
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Re: Tagesgeld-Leiter vs. Festgeld-Leiter — hat das jemand mal konkret durchgerechnet?

Beitrag von KontoKündigerin_Karla »

Ich hab letztes Jahr mal die Tagesgeld-Leiter mit Neukundenaktionen gemacht ? ING Neukunde, dann DKB, dann Consorsbank... klingt erstmal nice, aber: - Jedes Konto braucht Identifizierung (VideoIdent etc.) — ca. 15-20 Min pro Konto - Dann kommen die Werbemails ohne Ende ? - Und nach 3-6 Monaten fallen die Aktionszinsen weg und man muss wieder kündigen Ich hab damals auf 8.000 Euro über 6 Monate vielleicht 60-70 Euro netto mehr rausgeholt als mit normalem Tagesgeld. War ok, aber ich mach das nicht mehr dauerhaft. Einmal im Jahr vielleicht, wenn ich Bock hab. Für die Festgeld-Leiter gilt: deutlich weniger Stress, aber auch weniger Ertrag-Boost. Ich würd sagen ab 15-20k fühlt sich das sinnvoll an.
Doppeldeckerhorst
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Re: Tagesgeld-Leiter vs. Festgeld-Leiter — hat das jemand mal konkret durchgerechnet?

Beitrag von Doppeldeckerhorst »

Ich fahr seit 30 Jahren Bus und hab nie ne Festgeld-Leiter gebraucht. Aber gut, ich hab auch nie groß was gespart, also vielleicht bin ich das falsche Vorbild ? Was mich bei sowas immer wurmt: die Zinsen ändern sich doch ständig. Du baust dir eine schöne Leiter auf, und dann senkt die EZB zweimal und dein Festgeld läuft in ein Zinstal rein. Dann ärgerst dich dass du nicht alles auf einmal für 24 Monate festgemacht hast. Oder umgekehrt. Das ist doch alles Glaskugelschauen.
Rentenrechner_Rudolf
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Re: Tagesgeld-Leiter vs. Festgeld-Leiter — hat das jemand mal konkret durchgerechnet?

Beitrag von Rentenrechner_Rudolf »

Gestatten Sie mir eine steuerliche Ergänzung, die in diesem Thread noch nicht ausreichend beleuchtet wurde: Frau Maria erwähnte, sie habe einen Minijob. Das bedeutet, ihr zu versteuerndes Einkommen ist möglicherweise so gering, dass die Günstigerprüfung bei der Einkommensteuer greift. Konkret: Liegt der persönliche Steuersatz unter 25%, kann man beim Finanzamt beantragen, dass Kapitalerträge zum niedrigeren persönlichen Satz besteuert werden statt mit der pauschalen Abgeltungssteuer von 25%. Im Extremfall — sehr niedriges Einkommen — könnten Zinserträge sogar vollständig steuerfrei sein, wenn das Gesamteinkommen unter dem Grundfreibetrag bleibt. Das würde den Vergleich zwischen den Strategien leicht verschieben, da der Bruttoertrag dann vollständig zählt. Bitte lassen Sie das von einem Steuerberater prüfen oder reichen Sie eine Einkommensteuererklärung ein — das kostet nichts (außer Zeit) und kann sich lohnen.
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