Stop-Loss bei SDAX/Scale-Werten — echter Schutz oder Volatilitätsfalle?
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Kredithai_Kassandra
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Stop-Loss bei SDAX/Scale-Werten — echter Schutz oder Volatilitätsfalle?
Hey zusammen, ich bin gerade dabei mein Depot ein bisschen breiter aufzustellen und hab mich in ein paar kleinere deutsche Werte reingekauft — so Sachen aus dem SDAX und ein paar aus dem Scale-Segment. Nichts Riesiges, aber ich merke schon dass die Kurse manchmal ziemlich wild tanzen, auch wenn eigentlich keine News kommen.
Jetzt frage ich mich ernsthaft: macht Stop-Loss bei solchen Werten überhaupt Sinn? Ich hab mal bei einem Scale-Titel einen Stop auf -12% gesetzt, und der wurde tatsächlich ausgelöst — nur um danach wieder auf Ausgangsniveau zu krabbeln. Klassisch, ich weiß.
Meine Sorge ist folgendes: Bei illiquiden Aktien reicht ja manchmal ein einzelner größerer Verkaufsauftrag, um den Kurs kurz nach unten zu drücken. Dann greift mein Stop, ich bin raus, und eine Stunde später ist alles wieder normal. Das fühlt sich an wie Geld verbrennen mit extra Schritten.
Andererseits — ohne Stop-Loss könnte so ein Wert auch einfach 40% wegsacken und nie wiederkommen. Bei Nebenwerten ist das ja leider keine Seltenheit.
Habt ihr Erfahrungen damit? Setzt ihr bei solchen Titeln überhaupt Stops, und wenn ja, wie weit weg vom aktuellen Kurs? Oder lasst ihr das ganz sein und vertraut auf eure eigene Analyse?
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VersicherungsVerdrossene
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Re: Stop-Loss bei SDAX/Scale-Werten — echter Schutz oder Volatilitätsfalle?
Das klassische Dilemma. Ich kenn das zu gut — hatte mal nen Stop auf Fashionette (als die noch gelistet war), der wurde morgens um 9:05 Uhr durch irgendein Mini-Paket ausgelöst. Kurs war bis 10 Uhr wieder oben. Schöne 14% Verlust realisiert, danke für nix.
Bei illiquiden Kram würde ich persönlich eher mit mentalen Stops arbeiten als mit echten Orders. Also: du definierst vorher für dich, bei welchem Kurs oder welcher Nachrichtenlage du verkaufst — aber du gibst keine Order ins System. Klingt disziplinlos, ist aber bei Werten mit Spread von manchmal 2-3% einfach pragmatischer.
Der echte Schutz bei Nebenwerten ist ne ordentliche Positionsgröße. Wenn dich ein Totalausfall nicht killt, brauchst du den Stop weniger dringend.
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KassenzettelKlara
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Re: Stop-Loss bei SDAX/Scale-Werten — echter Schutz oder Volatilitätsfalle?
Stop-Loss bei Scale-Werten ist für mich so ungefähr so sinnvoll wie ein Regenschirm in der Sauna ?
Im Ernst: ich hab das erste Jahr meines Depot-Lebens konsequent Stops gesetzt und wurde gefühlt jedes zweite Mal zu bescheuerten Kursen rausgeworfen. Einmal bei einem Biotech-Winzling aus Frankfurt — Stop lag bei -15%, wurde durch einen einzigen Trade von vielleicht 500 Stück getriggert. Danach stieg die Aktie 30% in zwei Wochen. Ich hab meinen Laptop fast aus dem Fenster geworfen ?
Seitdem: Positionsgröße klein halten, Fundamentals verstehen, und wenn ich verkaufen will dann weil sich was geändert hat — nicht weil irgendein Algorithmus meinen Stop gesehen hat.
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LangzeitanlegerLothar
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Re: Stop-Loss bei SDAX/Scale-Werten — echter Schutz oder Volatilitätsfalle?
Ich möchte hier eine etwas differenziertere Perspektive einbringen, auch wenn ich verstehe, dass die Frustrationserlebnisse, die hier geschildert werden, real sind.
Stop-Loss-Orders erfüllen bei illiquiden Werten tatsächlich eine andere Funktion als bei Large-Caps. Das Problem ist struktureller Natur: Im Scale-Segment kann der Spread zwischen Geld- und Briefkurs schon im Normalzustand 1-3% betragen. Ein Stop-Loss wird dann als Market-Order ausgeführt — und der Ausführungskurs kann nochmals erheblich vom Stop-Kurs abweichen. Man verliert also doppelt: durch den ausgelösten Stop und durch den schlechten Ausführungspreis.
Was ich empfehlen würde: Stop-Limit statt reinem Stop-Loss. Damit begrenzt man zumindest das Slippage-Risiko. Allerdings besteht dann das Risiko, dass die Order gar nicht ausgeführt wird, wenn der Kurs durch das Limit fällt.
Die eigentliche Risikokontrolle bei Nebenwerten sollte über die Positionsgröße erfolgen, nicht über Stop-Orders. Wenn eine 2%-Position auf null geht, ist das schmerzhaft aber verkraftbar. Wenn eine 15%-Position auf null geht, ist das ein anderes Gespräch.
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DepotDepp_Denny
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Re: Stop-Loss bei SDAX/Scale-Werten — echter Schutz oder Volatilitätsfalle?
bruder ich hab mal nen stop bei nem scale-ding gesetzt und der wurde morgens um NEUN UHR ausgelöst weil irgendein typ 200 aktien verkauft hat ?? 200 stück!! das sind vielleicht 3000 euro!! und mein stop geht drauf
seitdem heißt meine stop-loss-strategie: einfach nicht hingucken und hoffen ? nein spaß aber im ernst positionsgröße ist king, alles andere ist theater bei dem zeug
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Mahnbescheid_Monika
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Re: Stop-Loss bei SDAX/Scale-Werten — echter Schutz oder Volatilitätsfalle?
Ich sezte bei mienen Nebenwerten schon seit Jahren keine normalen Stop-Loss mehr. Hab das aufgegeben nachdem ich bei einem Mittelstandsanleihen-Ding (war glaub Anleihe aber gleiches Prinzip) ausgestoppt wurde und der Kurs dann wieder hochging. Da hab ich gedacht: nö, das mach ich nicht mehr.
Was ich stattdessen mache: ich schaue einmal die Woche drauf und hab für mich klare Regeln wann ich verkaufe. Zum Beispiel wenn der Halbjahresbericht richtig mies ist oder wenn die Dividende gestrichen wird. Das sind fundamentale Gründe, kein Kurslärm.
Bei DKB kann man ja auch Kurslimits setzen die ablaufen — vielleicht wäre das ein Kompromiss? Aber grundsätzlich stimme ich den anderen hier zu: kleine Positionen und eigene Analyse schlägt jeden Automaten bei sowas.
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Nebenjob_Nele
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Re: Stop-Loss bei SDAX/Scale-Werten — echter Schutz oder Volatilitätsfalle?
Okay ich komm mal mit nem anderen Winkel rein ?
Ich find Stop-Loss bei Nebenwerten hat durchaus seine Berechtigung — aber nur wenn man sich über die Macken im Klaren ist. Mein Ansatz: ich setze den Stop deutlich weiter weg als bei einem DAX-Wert. Bei einem SDAX-Titel mit normaler Tagesvolatilität von 2-3% macht ein Stop bei -8% keinen Sinn. Ich geh da eher auf -20% bis -25%.
Klingt viel, aber der Gedanke dahinter: ich will nicht durch normales Rauschen rausgeworfen werden, sondern nur wenn wirklich was strukturell schiefläuft. Und ein -25% Stop bei einer 3%-Depotposition bedeutet im Worst Case 0,75% Depotverlust. Das ist handhabbar ?
Stop-Limit statt Market-Stop wie @LangzeitanlegerLothar schon sagte — das ist wirklich wichtig. Sonst kann der Ausführungskurs bei nem illiquiden Titel nochmal 5% unter dem Stop liegen.
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KreditkartenKlaudi
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Re: Stop-Loss bei SDAX/Scale-Werten — echter Schutz oder Volatilitätsfalle?
>> @Nebenjob_Nele schrieb: ich setze den Stop deutlich weiter weg... eher auf -20% bis -25%
Das ist eigentlich der vernünftigste Ansatz den ich hier gelesen hab ? Ich mach das ähnlich, aber ich koppel das noch an die ATR (Average True Range) des jeweiligen Titels. Klingt fancy, ist aber simpel: wenn ein Wert durchschnittlich 3% pro Tag schwankt, dann ist mein Stop mindestens 3x ATR unter dem Einstieg.
Und ja, bei Trade Republic gibt es diese Stop-Orders leider manchmal mit komischen Ausführungen bei illiquiden Titeln — ich nutze für Scale-Zeug lieber Comdirect oder DKB wo man etwas mehr Kontrolle hat und der Handelsplatz sinnvoller ist ?
Aber @DepotDepp_Denny bringt es auch auf den Punkt: 200 Aktien können bei manchen Scale-Werten schon den Kurs um 5% bewegen. Das ist halt so ein Markt wo Stops wirklich gefährlich sein können.
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AktienAntonia_HH
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Re: Stop-Loss bei SDAX/Scale-Werten — echter Schutz oder Volatilitätsfalle?
Ich handel selbst einige SDAX-Werte und Scale-Sachen, daher kann ich das gut nachvollziehen.
Mein Fazit nach drei Jahren: Harte Stop-Loss-Orders sind bei illiquiden Nebenwerten mehr Risiko als Schutz — zumindest wenn sie zu eng gesetzt sind. Das Problem ist nicht nur die Volatilität, sondern auch das Marktmikrostruktur-Thema. Bei manchen Scale-Titeln gibt es schlicht zu wenige Market Maker die für Liquidität sorgen, und in ruhigen Zeiten kann ein einzelner Auftrag den Kurs kurz verreißen.
Was ich konkret mache:
- Positionsgröße max. 3-4% des Depots bei wirklich illiquiden Titeln
- Wenn überhaupt Stop, dann Stop-Limit mit mindestens 3-4% Puffer zwischen Stop und Limit
- Kaufe grundsätzlich in Tranchen rein, nicht alles auf einmal
- Mentaler Stop bei fundamentalen Veränderungen (Gewinnwarnung, CEO-Abgang etc.)
Was ich @Kredithai_Kassandra noch mitgeben würde: schau dir mal an zu welchen Tageszeiten diese Titel besonders volatil sind. Direkt nach Handelsstart (9:00-9:30 Uhr) und kurz vor Schluss (17:15-17:30 Uhr) ist bei Nebenwerten oft am wildesten. Stops die genau in diese Zeiten fallen, werden gerne mal unschön ausgeführt ?