Freistellungsauftrag auf mehrere Broker aufteilen — wie macht ihr das am sinnvollsten?

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SkeptischerSigurd
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Freistellungsauftrag auf mehrere Broker aufteilen — wie macht ihr das am sinnvollsten?

Beitrag von SkeptischerSigurd »

Moin zusammen, ich hab Depots bei drei verschiedenen Brokern — Trade Republic, DKB und Comdirect — und steh jetzt vor der Frage wie ich den Freistellungsauftrag am sinnvollsten aufteile. Als Einzelperson hab ich ja 1.000€ im Jahr, und ich will nicht dass irgendwo unnötig Kapitalertragssteuer einbehalten wird. Mein Problem: Ich weiß vorher nie genau, wo ich in dem Jahr mehr Erträge machen werde. Dividenden laufen hauptsächlich über die DKB, bei Trade Republic hab ich ein paar ETFs die ausschütten, und bei Comdirect liegt noch ein altes Depot das ich eigentlich kaum noch anfasse. Konkrete Fragen die mich umtreiben: - Kann man den Freistellungsauftrag während des Jahres noch anpassen, oder ist das einmal gesetzt und fertig? - Was passiert wenn ich irgendwo zu wenig eingetragen hab und der Broker fängt an Steuer einzubehalten — geht das dann verloren oder krieg ich das zurück? - Gibt's so eine Faustregel wie man aufteilt wenn man die Erträge nicht genau kennt? Ich bin kein Finanzprofi, nur ein Elektriker der versucht sein Geld nicht dem Finanzamt zu schenken. Danke schonmal!
RoswithaSpartStreng
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Registriert: Mo Aug 24, 2020 10:00 pm

Re: Freistellungsauftrag auf mehrere Broker aufteilen — wie macht ihr das am sinnvollsten?

Beitrag von RoswithaSpartStreng »

Guten Tag, ich beantworte Ihre Fragen der Reihe nach, da diese sehr konkret und gut formuliert sind. Anpassung während des Jahres: Ja, der Freistellungsauftrag kann jederzeit im laufenden Jahr geändert werden — sowohl erhöht als auch gesenkt. Die einzige Bedingung: Die Summe aller erteilten Freistellungsaufträge bei sämtlichen Instituten darf den Gesamtbetrag von 1.000 Euro (bzw. 2.000 Euro bei zusammenveranlagten Ehegatten) nicht überschreiten. Die Institute gleichen das nicht automatisch ab — das liegt in Ihrer Verantwortung. Was passiert bei zu niedrigem Freistellungsauftrag: Wird der eingetragene Betrag überschritten, behält der Broker die Kapitalertragssteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag ein. Das Geld ist nicht verloren — Sie können es über die Einkommensteuererklärung mit der Anlage KAP zurückholen, sofern Ihr persönlicher Steuersatz unter 25 % liegt oder Sie noch ungenutzten Sparerpauschbetrag bei anderen Instituten haben. Faustregel zur Aufteilung: Ich empfehle, die Aufteilung an den historischen Erträgen der letzten zwei bis drei Jahre zu orientieren. Wer das nicht hat, verteilt anteilig nach Depotgröße. Bei Ihrem Comdirect-Depot, das kaum genutzt wird, würde ich nur einen symbolischen Betrag eintragen — etwa 50 bis 100 Euro — und den Rest auf DKB und Trade Republic aufteilen.
SachsenSparSteffen
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Registriert: So Dez 06, 2020 11:00 pm

Re: Freistellungsauftrag auf mehrere Broker aufteilen — wie macht ihr das am sinnvollsten?

Beitrag von SachsenSparSteffen »

Was Roswitha sagt stimmt alles, ich ergänz noch den praktischen Aspekt: Ich hab selbst Depots bei Trade Republic, ING und Comdirect und mach das so: Ich schau im Januar kurz in die Jahressteuerbescheinigungen vom Vorjahr und nehm die Erträge als Basis. Dann teile ich prozentual auf. Klingt aufwendig, dauert aber ehrlich gesagt keine 20 Minuten. ? Der entscheidende Tipp: Bei Trade Republic kannst du den Freistellungsauftrag direkt in der App ändern, das geht in zwei Minuten. Bei der DKB brauchst du dich ins Online-Banking einloggen, da ist's auch kein Hexenwerk. Nur Comdirect hat manchmal eine etwas verschachtelte Navigation, aber man findet's. Und ja — wenn der Freibetrag irgendwo ausgeschöpft ist und Steuer einbehalten wird, einfach in der Steuererklärung Anlage KAP ausfüllen. Ist lästig aber kein Drama. Das Finanzamt überweist das dann zurück, meist im nächsten Sommer.
Null_Schulden_Niko
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Registriert: Sa Nov 21, 2020 11:00 pm

Re: Freistellungsauftrag auf mehrere Broker aufteilen — wie macht ihr das am sinnvollsten?

Beitrag von Null_Schulden_Niko »

Alter, ich machs ganz simpel: 800 Euro auf den Broker wo die meiste Kohle liegt, 150 auf den zweiten, 50 auf den Rest. Fertig. ? Ja okay ich bin kein Buchhalter aber bei mir hat das die letzten Jahre immer gepasst. Und wenn nicht, Anlage KAP und gut ist.
Nettolohn_Nadine_B
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Re: Freistellungsauftrag auf mehrere Broker aufteilen — wie macht ihr das am sinnvollsten?

Beitrag von Nettolohn_Nadine_B »

Ich finde die Frage super relevant, weil das viele gar nicht auf dem Schirm haben! ? Ich ergänze noch einen wichtigen Punkt den ich bisher nicht gelesen habe: Wenn du verheiratet bist oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebst, habt ihr zusammen 2.000 Euro Sparerpauschbetrag. Den könnt ihr aber auch aufteilen — also z.B. du nimmst 1.200 Euro und dein Partner 800 Euro, oder wie auch immer es passt. Das muss nicht fifty-fifty sein. Außerdem: Manche Leute vergessen, dass auch Tagesgeld- und Festgeldkonten Zinsen abwerfen, die gegen den Freibetrag laufen. Wenn du also noch ein Sparkonto bei der ING oder so hast, musst du da auch einen Freistellungsauftrag einrichten — sonst wird da direkt Steuer einbehalten und du verschwendest Freibetrag den du gar nicht erteilt hast. ? Kurz gesagt: Einmal im Januar alle Konten und Depots durchgehen, Vorjahreserträge angucken, und dann sinnvoll aufteilen. Das klappt bei mir sehr gut!
MedizinstudentMax_HH
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Registriert: So Okt 16, 2022 10:00 pm

Re: Freistellungsauftrag auf mehrere Broker aufteilen — wie macht ihr das am sinnvollsten?

Beitrag von MedizinstudentMax_HH »

>> @RoswithaSpartStreng schrieb: Die einzige Bedingung: Die Summe aller erteilten Freistellungsaufträge bei sämtlichen Instituten darf den Gesamtbetrag von 1.000 Euro nicht überschreiten.Das ist der Punkt den ich am Anfang komplett falsch verstanden hatte — ich dachte jeder Broker hat seinen eigenen Freibetrag von 1.000 Euro. Das wäre natürlich zu schön. ? Hab dann erstmal zu viel eingetragen und das musste ich korrigieren. Also wirklich aufpassen: es ist ein Topf, den man aufteilt, nicht mehrere Töpfe. Bei mir läuft eigentlich fast alles über Trade Republic, da hab ich 900 Euro eingetragen und bei N26 (für Tagesgeld) 100 Euro. Passt bisher gut.
GratisGiroGregor
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Registriert: Mi Sep 29, 2021 10:00 pm

Re: Freistellungsauftrag auf mehrere Broker aufteilen — wie macht ihr das am sinnvollsten?

Beitrag von GratisGiroGregor »

>> @Null_Schulden_Niko schrieb: Alter, ich machs ganz simpel: 800 Euro auf den Broker wo die meiste Kohle liegt, 150 auf den zweiten, 50 auf den Rest.Nikos Methode ist ehrlich gesagt gar nicht so dumm ? Ich mach das ähnlich, nur dass ich einmal im Jahr — so im Oktober — kurz nachschaue wie die Erträge sich entwickelt haben. Falls irgendwo der Freibetrag fast ausgeschöpft ist und woanders noch viel Luft ist, dann eben schnell ummelden. Wichtig: Den Freistellungsauftrag reduzieren geht nur, wenn der bereits genutzte Betrag noch unter dem neuen Zielwert liegt. Sprich, wenn du bei der DKB schon 300 Euro Erträge hattest und willst den Freibetrag dort auf 200 Euro senken — geht nicht mehr. Dann bleibt er mindestens bei 300 Euro bis Jahresende. Das ist so eine kleine Falle die ich mal auf die harte Tour gelernt hab. ? Ansonsten: Barclays-Tagesgeld nicht vergessen, die zahlen gerade auch noch ganz ordentliche Zinsen und da laufen einem schnell ein paar Euro Erträge rein die dann ohne Freibetrag direkt versteuert werden.
NordseeNellie_spart
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Re: Freistellungsauftrag auf mehrere Broker aufteilen — wie macht ihr das am sinnvollsten?

Beitrag von NordseeNellie_spart »

Ich bin zwar nur Erzieherin und kein Steuerexperte aber ich checks so: ? Einmal im Jahr Jahressteuerbescheinigungen vom Vorjahr raussuchen (die schicken ja alle irgendwann im Januar/Februar), kurz vergleichen welcher Broker wie viel abgeworfen hat, und dann prozentual aufteilen. Ich hab sogar eine kleine Tabelle dafür in meinem Haushaltsbuch. ? Was ich auch noch wichtig finde: Wenn du mitten im Jahr merkst dass du irgendwo fast am Limit bist — einfach kurz umschichten! Dauert wirklich nur ein paar Minuten online. Kein Grund das aufzuschieben bis es zu spät ist und der Broker schon Steuer einbehält. ? Und falls doch mal Steuer einbehalten wurde: nicht in Panik verfallen, einfach Anlage KAP in der Steuererklärung ausfüllen. Die meisten Steuerprogramme wie z.B. ELSTER oder WISO führen da ganz gut durch!
SkeptischerSigurd
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Re: Freistellungsauftrag auf mehrere Broker aufteilen — wie macht ihr das am sinnvollsten?

Beitrag von SkeptischerSigurd »

Leute, das hat mir echt geholfen, danke! ? Den Punkt von GratisGiroGregor hab ich nicht gewusst — dass man den Freistellungsauftrag nicht unter den bereits genutzten Betrag senken kann. Das ist tatsächlich eine Falle auf die ich fast reingefallen wäre, weil ich überlegt hatte bei Comdirect einfach auf 0 zu setzen da ich da eh kaum Erträge hab. Ich werde es jetzt so machen: - DKB: 600 Euro (da laufen die meisten Dividenden) - Trade Republic: 350 Euro (ETF-Ausschüttungen) - Comdirect: 50 Euro (fast totes Depot) Macht zusammen 1.000 Euro, passt. Und ich stell mir im Oktober eine Kalender-Erinnerung um kurz zu prüfen ob das noch stimmt. Simpler Plan aber besser als nix. ? Danke nochmal an alle — besonders an Roswitha für die ausführliche Erklärung!
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