WG mit 30 – peinlich oder clever zum Geld sparen?
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SelbstständigSilvia
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- Registriert: Mi Feb 26, 2020 11:00 pm
WG mit 30 – peinlich oder clever zum Geld sparen?
Okay, ich trau mich das mal zu fragen, weil ich das Gefühl habe, hier wird man nicht direkt ausgelacht. ?
Ich bin 38, freiberufliche Grafikdesignerin in München, und zahle aktuell 1.280 € Kaltmiete für eine 2-Zimmer-Wohnung in Schwabing. Alleine. Das ist natürlich Münchener Realität, aber trotzdem: Wenn ich das mal hochrechne, sind das über 15.000 € im Jahr, die einfach weg sind.
Ich habe jetzt konkret überlegt, in eine WG zu ziehen – Zimmer kosten hier bei uns in der Stadt realistisch zwischen 700 und 900 € warm. Das wären also locker 400–500 € im Monat gespart, die ich direkt in meinen ETF-Sparplan stecken könnte. Bei 7% p.a. und 10 Jahren macht das einen riesigen Unterschied.
Mein Problem: Ich fühle mich dabei irgendwie komisch. Nicht wegen dem WG-Leben an sich – ich hatte Mitte 20 tolle WGs – sondern wegen dem Blick von außen. Kunden, Bekannte, Familie. "Die hat's wohl nicht so gut" oder "Kann die sich keine eigene Wohnung leisten?"
Hat das hier jemand gemacht? Wirklich mit Anfang/Mitte 30 nochmal in eine WG gezogen, bewusst, aus finanziellen Überlegungen? Wie war das sozial – und hat sich der Spareffekt wirklich materialisiert, oder hat man irgendwann doch "kompensiert" weil WG-Leben nervt?
Ich frag auch weil ich als Selbstständige eh unregelmäßige Einnahmen habe und manchmal monatelang kaum was spare. Wenn ich die Fixkosten runterbringe, wäre das ein echter Hebel.
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WGKostenWenke
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- Registriert: So Okt 09, 2022 10:00 pm
Re: WG mit 30 – peinlich oder clever zum Geld sparen?
Omg endlich mal eine erwachsene Person die das anspricht ? Ich studier noch also kenn ich nix anderes als WG, aber ich kenn tatsächlich eine Kollegin meiner Mutter, die ist 34 und lebt seit zwei Jahren bewusst in ner WG in Freiburg. Die hat denen im Büro einfach gesagt "ich finds praktischer" und keiner hat mehr nachgefragt.
Ich glaub das Urteil kommt mehr von innen als von außen ehrlich gesagt. Niemand denkt so viel über dein Wohnmodell nach wie du selbst lol
Und 400-500€ im Monat mehr investieren?? Das ist doch kein Peanuts. Das ist ein Porsche in 15 Jahren (okay übertrieben aber ihr wisst was ich mein ?)
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KontoKompass_Kai
- Beiträge: 16
- Registriert: Sa Apr 10, 2021 10:00 pm
Re: WG mit 30 – peinlich oder clever zum Geld sparen?
Lass mich das kurz durchrechnen, weil die Zahl tatsächlich beeindruckend ist:
500 € zusätzlich pro Monat, 10 Jahre, 7% p.a. (Nettorendite nach Kosten, also realistisch für einen breit gestreuten MSCI World ETF) ergibt nach dem Zinseszinsrechner ca. 86.500 € Endwert. Davon sind rund 26.000 € Eigenleistung, der Rest ist Rendite. Das ist nicht nichts.
Was das soziale Stigma angeht: Ich arbeite im Bankbereich und sehe täglich Leute, die auf Teufel komm raus eine Eigentumswohnung wollen, nur um "was vorzuweisen", und dabei vollständig illiquide sind. Die WG-Entscheidung klingt für mich nach einem rationalen Schritt, nicht nach Scheitern.
Einziger Hinweis: Als Freiberuflerin solltest du auf die WG-Vertragsgestaltung achten. Bist du Hauptmieterin? Untermieterin? Das hat steuerliche und haftungsrechtliche Implikationen.
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PKV_Probleme_Peter
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- Registriert: Sa Okt 10, 2020 10:00 pm
Re: WG mit 30 – peinlich oder clever zum Geld sparen?
Ich hab das mit 32 gemacht – nicht in München, aber in Stuttgart, also auch keine günstige Stadt. Bin damals nach einer Trennung aus der gemeinsamen Wohnung raus und hab bewusst entschieden: kein neues Solo-Apartment, sondern WG.
Ehrlich gesagt war der härteste Moment nicht das WG-Leben selbst, sondern der erste Abend wo ich einem Datum erklärt hab wo ich wohne. Die Reaktion war... überraschend egal. ?
Was mich wirklich gestört hat nach ca. 8 Monaten: Küche. Wenn man unterschiedliche Kochgewohnheiten hat, ist das ein stiller Dauerkonflikt. Aber das ist Pech bei der WG-Wahl, nicht strukturelles Problem.
Gespart hab ich tatsächlich. Hab damals knapp 380€ im Monat weniger gezahlt und den Betrag direkt per Dauerauftrag auf ein Depot überwiesen. Disziplin durch Automatisierung, nicht durch Willenskraft.
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KarriereKletterer_Jo
- Beiträge: 6
- Registriert: Sa Aug 13, 2022 10:00 pm
Re: WG mit 30 – peinlich oder clever zum Geld sparen?
Ich bin 24 und noch mitten im WG-Leben, von daher kann ich das Gefühl "zu alt dafür" nicht wirklich nachvollziehen – aber ich find die Frage interessant.
Was ich sagen kann: In meiner aktuellen WG wohnt jemand der 36 ist. Niemand macht da ein Ding draus. Der macht seinen Job, zahlt pünktlich, hält die Küche sauber – perfekter Mitbewohner eigentlich.
Ich glaub der "Blick von außen" den du beschreibst existiert hauptsächlich bei Leuten, die selbst unsicher mit ihren Finanzentscheidungen sind. Wer selbst weiss warum er was tut, strahlt das aus.
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KreditkartenKlaudi
- Beiträge: 20
- Registriert: Fr Nov 04, 2022 11:00 pm
Re: WG mit 30 – peinlich oder clever zum Geld sparen?
Silvia ich LIEBE diese Frage weil ich selbst mit 29 nochmal in eine WG gezogen bin und es das Beste war das ich je gemacht hab ?
Okay kurze Geschichte: Nach Trennung, Köln, Mieten explodiert. Hab mich für ne WG entschieden, 3 Leute, alle zwischen 27-33, und das war ehrlich gesagt geselliger als mein Solo-Apartment jemals war.
Finanziell: Ich hab von 1.050€ auf 680€ Warmmiete runtergedrückt. Die 370€ gehen seitdem in einen Vanguard FTSE All-World Sparplan. Hab das 2021 angefangen, bin jetzt bei knapp 19k Depotwert – ohne WG wäre das Geld in Miete verschwunden ✈️
Und zum Stigma: Ich poste auf Instagram manchmal WG-Stuff und bekomme NUR positive Reaktionen. Leute finden das erfrischend. Ich glaub das Scham-Gefühl ist ein Boomer-Konstrukt das wir selbst reproduzieren ?
Re: WG mit 30 – peinlich oder clever zum Geld sparen?
Ich bin Assistenzarzt, 31, und wohne seit einem Jahr in einer WG in Heidelberg. Nicht aus Not, sondern weil ich nach dem Studium und langen Ausbildungsjahren endlich mal richtig anfangen wollte, Vermögen aufzubauen.
Das Gehalt als Assistenzarzt klingt nach außen gut, ist aber nach Steuer und PKV-Beitrag oft ernüchternd. Die WG gibt mir 450€ im Monat mehr Spielraum.
PKV_Probleme_Peter schrieb:Disziplin durch Automatisierung, nicht durch Willenskraft.
Das ist genau der Punkt. Ich hab einen Dauerauftrag eingerichtet der am 1. jeden Monats läuft, bevor ich überhaupt drüber nachdenken kann das Geld auszugeben. WG-Entscheidung + Automatisierung = die zwei besten Finanzhebel die ich aktuell habe.
Sozial: Meine Kollegen wissen dass ich in einer WG wohne. Reaktion war "cool, sparst du damit?" und dann Themenwechsel. Mehr war da nicht.
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Festgeldfreund_Florian
- Beiträge: 12
- Registriert: Fr Nov 27, 2020 11:00 pm
Re: WG mit 30 – peinlich oder clever zum Geld sparen?
Ich möchte einen etwas nüchternen Blickwinkel einbringen, ohne das Vorhaben schlecht zu reden.
Die Rechnung von @KontoKompass_Kai stimmt mathematisch. Was sie nicht abbildet: die Opportunitätskosten an Lebensqualität und Nerven, die eine WG mit sich bringt, wenn man 38 ist und bestimmte Gewohnheiten hat. Ich spreche aus Erfahrung – ich hab mit 29 in einer WG gelebt und es war nicht schlimm, aber mit 38 hätte ich vermutlich andere Bedürfnisse an Ruhe und Eigenraum gehabt.
Das ist keine Absage an die Idee, nur ein Hinweis: Testet das realistisch. Vielleicht erst mal 12 Monate fest planen, nicht unbefristet. Und schaut genau auf die Mitbewohner – Lebensrhythmus, Sauberkeitsstandards, Arbeitszeiten. Eine falsche WG kann die Sparrate durch Stress und Konflikt schnell auffressen, weil man dann anderweitig "kompensiert".
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WGKostenWenke
- Beiträge: 21
- Registriert: So Okt 09, 2022 10:00 pm
Re: WG mit 30 – peinlich oder clever zum Geld sparen?
@Festgeldfreund_Florian okay das ist fair aber ich glaub man kann auch einfach ne WG mit Leuten suchen die ähnlich drauf sind?? Es gibt ja WG-Gesucht und da kannst du kriterien filtern bis zum geht nicht mehr. "Ruhige WG", "berufstätig", "über 30" etc. Da findet man schon was ?
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SelbstständigSilvia
- Beiträge: 19
- Registriert: Mi Feb 26, 2020 11:00 pm
Re: WG mit 30 – peinlich oder clever zum Geld sparen?
Wow, ich hab nicht erwartet dass hier so viele mit echten Zahlen und Erfahrungen antworten – danke euch wirklich.
@PKV_Probleme_Peter und @MediMicha: Der Punkt mit dem Dauerauftrag ist Gold. Ich hab das selbst schon bei meiner Steuerrücklage so gemacht und es funktioniert einfach. Wenn das Geld weg ist bevor man es sieht, spart man automatisch.
@Festgeldfreund_Florian: Die Warnung nehme ich ernst. Ich wär tatsächlich sehr wählerisch. In München gibt's inzwischen überraschend viele "30+ Berufs-WGs" auf WG-Gesucht, oft Leute die aus ähnlichen Gründen so wohnen. Das ist nicht mehr das Klischee von 2005 mit Dreadlocks und Sofa-Müll.
Ich hab jetzt entschieden: Ich schaue mir das konkret an. Habe zwei Zimmer angeschrieben, beide um die 780€ warm. Wenn ich eins davon nehme und die 500€ Differenz wirklich diszipliniert investiere, werde ich das hier irgendwann als Update posten. ?
Und zum Stigma-Thema: Ihr habt mich überzeug. Das ist mein Kopfkino, nicht die Realität.