Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder übertrieben?
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Mahnbescheid_Monika
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Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder übertrieben?
Hallo zusammen,
ich bin Angestellte, seit letztem Jahr in der PKV (bin über die Einkommensgrenze gekommen, endlich ?) und mein Versicherungsberater hat mir jetzt empfohlen, noch einen Krankentagegeld-Tarif dazuzunehmen. Kostet bei mir ca. 28 Euro im Monat für 70 Euro Tagessatz ab dem 43. Krankheitstag.
Mein erster Gedanke war: brauche ich das überhaupt? Mein Arbeitgeber zahlt doch 6 Wochen lang das volle Gehalt weiter. Und danach? Ich dachte, es gibt dann irgendwie noch was vom Staat oder von der Krankenkasse... aber ich bin ja jetzt in der PKV, da ist das anders, oder?
Ich hab das ehrlich gesagt nie richtig durchgeblickt. In der GKV gab es doch Krankengeld automatisch – aber das fällt jetzt weg, nehme ich an? Mein Berater sagt, ohne separaten Tarif stehe ich nach Woche 6 komplett blank da. Das klingt ein bißchen dramtisch für mich, aber vielleicht hat er recht?
Ich bin 49, Sekretärin, keine Vorerkrankungen, aber man weiß ja nie. Hat jemand von euch Erfahrung damit? Lohnt sich das oder ist das wieder so ein Produkt das hauptsächlich dem Berater nützt? ?
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Mod_Thorsten_FFF
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder übertrieben?
Gute Frage, die hier tatsächlich öfter auftaucht – ich hebe den Thread mal in die richtige Kategorie (PKV / Krankenversicherung).
Zur Sache: Dein Berater hat grundsätzlich recht. Als PKV-Versicherter hast du keinen automatischen Anspruch auf Krankengeld wie in der GKV. In der GKV zahlt die Kasse ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit Krankengeld in Höhe von ca. 70 % des Bruttoeinkommens (max. 90 % des Nettos). Das ist gesetzlich geregelt.
In der PKV musst du diesen Schutz separat als Krankentagegeld-Tarif einschließen. Ohne diesen Baustein: nach Ablauf der sechs Wochen Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber kommt tatsächlich nichts mehr – außer du hast Rücklagen. Das ist kein Drama-Marketing, das ist die rechtliche Realität.
Ob 70 Euro Tagessatz ausreichend sind, hängt von deinem Nettoeinkommen ab. Faustformel: Das Tagegeld sollte das Nettoeinkommen abzüglich der gesparten Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung abdecken – als PKV-Versicherter hast du ja auch bei Krankheit keine Beitragsentlastung automatisch.
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Abgeltungssteuer_August
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder übertrieben?
Thorsten hat das korrekt dargestellt. Ich möchte einen steuerlichen Aspekt ergänzen, der oft übersehen wird:
Krankentagegeld-Beiträge sind als Sonderausgaben steuerlich absetzbar, sofern sie in den Rahmen der Basisabsicherung fallen (§ 10 Abs. 1 Nr. 3a EStG). Bei einem Jahresbeitrag von rund 336 Euro ist das kein riesiger Betrag, aber er mindert die Steuerlast zumindest marginal.
Wichtiger: Das ausgezahlte Krankentagegeld selbst ist steuerpflichtig und unterliegt dem Progressionsvorbehalt. Das sollte man bei der Bedarfsplanung berücksichtigen – 70 Euro Tagessatz klingen nach 2.100 Euro im Monat, aber nach Steuer bleibt weniger übrig, je nach individuellem Steuersatz.
Meine Empfehlung: Den Tagessatz lieber etwas großzügiger kalkulieren als zu knapp. Einmal krank für drei Monate, und man merkt sehr schnell, ob die Planung realistisch war.
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KryptoKritikerin_Kathi
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder übertrieben?
Okay ich bin keine PKV-Expertin (GKV-Pöbel hier ?♀️) aber ich frag mich gerade: Monika, was zahlt du denn insgesamt für deine PKV? Weil wenn du da schon 400-500 Euro/Monat hinlegst und der Krankentagegeld-Schutz fehlt komplett, dann ist das irgendwie schon ein bisschen... unfertig? ?
Für 28 Euro im Monat klingt das eigentlich nicht nach Abzocke. Ich kenn Leute die zahlen mehr für ihre Netflix-Familienmitgliedschaft. Wenn du nach 6 Wochen wirklich blank dastehst, dann würd ich das als Pflichtbaustein sehen.
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WochenendWarrior_Waldi
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder übertrieben?
Ich bin zwar GKV aber bei uns in der Werkstatt hat mal ein Kollege – auch Angestellter – sich den Rücken ruiniert und war 4 Monate draußen. Der war in der PKV und hatte kein Krankentagegeld. Das war kein Spaß, der hat von Ersparnissen gelebt und seine Frau hat Überstunden gemacht.
Also rein aus dem Bauch: für 28 Euronen im Monat würd ich das nehmen. Das ist ein Abendessen. ? Lieber zahlen und nie brauchen als umgekehrt.
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KreditkarteKarl_FFM
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder übertrieben?
Ich ergänze mal eine praktische Perspektive, weil hier noch niemand die Zahlen konkret durchgerechnet hat.
Wenn du als Sekretärin, sagen wir, 3.200 Euro brutto verdienst, dann sind das ungefähr 2.000–2.100 Euro netto (je nach Steuerklasse, Kirchensteuer etc.). Tagessatz wären das ca. 67–70 Euro netto. Das passt also zur Größenordnung, die dein Berater vorschlägt.
Was viele vergessen: Als PKV-Versicherter zahlst du deinen Beitrag auch im Krankheitsfall weiter – zumindest einen Teil davon. Viele Tarife sehen zwar eine Beitragsrückerstattung oder Reduktion bei Krankheit vor, aber das ist tarifabhängig. Prüf das in deinen Unterlagen.
28 Euro für diesen Schutz ist marktüblich, eher am unteren Ende. Schau aber genau auf die Wartezeit (typisch: 3 Monate), den genauen Beginn des Tagegeldes (ab Tag 43 ist Standard für Angestellte) und ob eine Nachversicherungsgarantie enthalten ist, falls du irgendwann mehr verdienst.
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Altersvorsorge_Agatha
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder übertrieben?
Ich möchte noch einen Gedanken hinzufügen, der vielleicht etwas weniger beachtet wird:
Mit 49 Jahren sollte man auch den Blick auf das Langzeitrisiko richten. Eine Erkrankung, die länger als 6 Wochen dauert, ist ab einem gewissen Alter statistisch wahrscheinlicher als mit 30. Burnout, orthopädische Probleme, Herz-Kreislauf – das sind keine theoretischen Szenarien mehr.
Gleichzeitig ist mit 49 auch der Zeitpunkt, an dem man nicht mehr so einfach neue Versicherungsverträge zu günstigen Konditionen bekommt. Vorerkrankungen können später dazukommen und dann wird ein Krankentagegeld-Tarif teuer oder gar nicht mehr abschließbar. Das spricht eindeutig dafür, jetzt zu handeln, solange die Gesundheitsprüfung problemlos ist.
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Mahnbescheid_Monika
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- Registriert: Sa Mär 26, 2022 11:00 pm
Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder übertrieben?
Wow danke euch allen, das hat mir wirklich geholfen! ? Ich hatte keine Ahnung dass das mit dem Krankengeld in der PKV so ein blinder Fleck bei mir war.
@KreditkarteKarl_FFM das mit der Wartezeit wusste ich gar nicht – ich frag meinen Berater da nochmal nach, ob die 3 Monate bei meinem Angebot auch so sind.
Und @Altersvorsorge_Agatha du hast absolut Recht, das mit dem Alter hab ich nicht bedacht. Wenn ich jetzt warte und dann mit 53 irgendwas an der Schulter hab (bin viel am Schreibtisch), dann ists vielleicht schon zu spät für gute Konditionen.
Ich glaub ich nehm den Tarif. 28 Euro ist überschaubar und das Risiko ist real. Dank euch fühl ich mich jetzt nicht mehr wie jemand der einfach was verkauft bekommt sondern ich versteh warum das Sinn macht. ?
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Rentenrechner_Rudolf
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder übertrieben?
Ich stoße etwas später dazu, möchte aber noch einen Punkt ergänzen, der in der Diskussion nicht aufgetaucht ist.
Für Angestellte in der PKV gibt es eine Besonderheit, die der Gesetzgeber im SGB V festgelegt hat: Wer als Angestellter in die PKV wechselt, kann grundsätzlich einen sogenannten Optionstarif oder einen Tarif mit Anwartschaft wählen, der auch spätere Gehaltserhöhungen ohne erneute Gesundheitsprüfung berücksichtigt. Das hat @KreditkarteKarl_FFM schon als Nachversicherungsgarantie angesprochen – darauf sollte man tatsächlich bestehen.
Außerdem: Falls Sie, Frau Monika, irgendwann in die Selbständigkeit wechseln sollten (auch wenn das nicht geplant ist), ändert sich der Bedarf erheblich. Selbständige benötigen in der Regel einen Tagessatz ab Tag 1 oder spätestens Tag 8, da keine Lohnfortzahlung existiert. Ein Tarif mit Umstellungsoption ist dann Gold wert. Ich habe das bei Mandanten schon erlebt, die den Wechsel nicht bedacht hatten – das wurde sehr teuer.
Im Übrigen: 28 Euro monatlich für diesen Schutz ist ein faires Angebot, solange keine gravierenden Ausschlüsse im Kleingedruckten stecken. Lassen Sie sich das Bedingungswerk geben und lesen Sie Abschnitt zur Leistungsausschlüssen sorgfältig.
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KryptoKritikerin_Kathi
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Re: Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder übertrieben?
Rentenrechner_Rudolf schrieb:Lassen Sie sich das Bedingungswerk geben und lesen Sie Abschnitt zur Leistungsausschlüssen sorgfältig.
Das klingt nach dem üblichsten Rat der Welt, ist aber tatsächlich der wichtigste. ? Ich hab mal für einen Kunden eine UX-Analyse von Versicherungswebseiten gemacht – die verstecken die Ausschlüsse wirklich gerne in Unterseiten die 4 Klicks tief liegen. Einfach das PDF anfordern und ggf. hier nochmal reinwerfen falls was unklar ist.