Endlich Riester gekündigt — Erleichterung pur, aber war es die richtige Entscheidung?

Riester, Rürup, betriebliche Altersvorsorge, gesetzliche Rente
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MedizinstudentMax_HH
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Endlich Riester gekündigt — Erleichterung pur, aber war es die richtige Entscheidung?

Beitrag von MedizinstudentMax_HH »

So, ich hab's getan. Nach fast vier Jahren hab ich meinen Riester-Vertrag bei der DWS endlich gekündigt. Das Ding läuft seit ich 20 war, damals hat mein Vater drauf bestanden, "du kriegst doch Zulagen und Steuervorteile, mach das". Ich hab nie wirklich durchgeblickt, was der Vertrag eigentlich macht, und das Gefühl, Geld in eine Blackbox zu schmeißen, hat mich nie losgelassen. Die Kündigung selbst war überraschend unkompliziert — einmal kurz angerufen, Formular per Post, drei Wochen später war der Rückkaufswert auf meinem Konto. Nach Abzug der zurückgeforderten Zulagen (ich glaub so 700€ insgesamt über die Jahre) und der Kapitalertragsteuer auf die Gewinne blieb mir ein Betrag übrig, der jetzt komplett in meinen MSCI World ETF-Sparplan fließt. Das Gefühl danach? Ehrlich gesagt: Erleichterung. Keine laufenden Kosten mehr, keine undurchsichtigen Fondswechsel, kein Riester-Dschungel mehr. Aber jetzt setzt das Grübeln ein: Hab ich die Steuervorteile der letzten Jahre einfach verschenkt? Die Zulagen sind ja weg (klar), aber ich musste auch den Sonderausgabenabzug teilweise zurückzahlen — oder warte, musste ich das überhaupt? Ich bin mir da gar nicht mehr 100% sicher, wie das genau läuft. Hat hier jemand ähnliches gemacht? Und vor allem: Laut meiner Überschlagsrechnung kommt ein ETF-Sparplan über 30 Jahre selbst nach Steuer deutlich besser raus als der Riester-Kram — aber ich grübel trotzdem. Bin ich einfach nur ein Opfer des Sunk-Cost-Denkens, oder war die Kündigung tatsächlich ein Fehler?
ZinsZwiebel_Zacharias
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Re: Endlich Riester gekündigt — Erleichterung pur, aber war es die richtige Entscheidung?

Beitrag von ZinsZwiebel_Zacharias »

Zur steuerlichen Seite kann ich etwas Klarheit bringen, weil das hier häufig durcheinandergebracht wird. Wenn du den Riester-Vertrag schädlich verwendest (also kündigst und dir das Geld auszahlen lässt), wird das sogenannte schädliche Verwendungsverfahren eingeleitet. Das bedeutet konkret: - Die staatlichen Zulagen (Grundzulage + ggf. Kinderzulage) werden direkt vom Anbieter ans Finanzamt zurückgezahlt — das passiert automatisch, du siehst das als Abzug vom Auszahlungsbetrag. - Die Steuererstattungen, die du über den Sonderausgabenabzug bekommen hast, werden ebenfalls zurückgefordert. Das Finanzamt schickt dir einen geänderten Bescheid. Ob das schon passiert ist oder noch kommt, hängt davon ab, wann dein Anbieter die Meldung ans Zentrale Zulagenamt geschickt hat. - Die erzielten Erträge (also Kursgewinne und Zinsen im Vertrag) unterliegen dann der normalen Abgeltungsteuer — das ist der faire Teil der Sache. Kurzversion: Du hast die Steuervorteile nicht "verschenkt", du hast sie zurückgegeben. Netto hast du im Vergleich zu einem normalen Sparplan keinen steuerlichen Schaden, aber auch keinen Vorteil mehr. Der eigentliche Verlust sind die Kosten und die schlechtere Rendite, die du in den vier Jahren hattest. Falls du noch keinen Bescheid über die Rückforderung des Sonderausgabenabzugs bekommen hast: Rechne damit. Das kommt meist mit 3–6 Monaten Verzögerung nach der Kündigung.
VersicherungsVerdrossene
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Re: Endlich Riester gekündigt — Erleichterung pur, aber war es die richtige Entscheidung?

Beitrag von VersicherungsVerdrossene »

Herzlichen Glückwunsch zur Befreiung ? Im Ernst, ich hab meinen Wohnriester vor zwei Jahren losgeworfen und das Befreiungsgefühl kenn ich. Diese Produkte sind halt so gebaut dass du sie nicht verstehst — das ist kein Bug, das ist Feature. Vier Jahre DWS Riester, da wäre mich interessieren was du für Kosten hattest. Die hatten ja mal den TopRente Dynamic, der war berüchtigt für Ausgabeaufschläge plus Verwaltungskosten von teils 1,5%+ p.a. Auf einem kleinen Studentenbetrag frisst das halt alles auf.
Sparquote_Simone_DO
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Re: Endlich Riester gekündigt — Erleichterung pur, aber war es die richtige Entscheidung?

Beitrag von Sparquote_Simone_DO »

@ZinsZwiebel_Zacharias hat das steuerliche super erklärt, dem hab ich nichts hinzuzufügen. Was ich aber zum Grübeln sagen würde: Vier Jahre, Medizinstudium, wahrscheinlich kein oder kaum Einkommen über dem Grundfreibetrag — der Sonderausgabenabzug hat dir in dieser Zeit vermutlich kaum etwas gebracht, weil du schlicht keine hohe Steuerlast hattest. Das heißt, der "Vorteil" war in deinem Fall eh sehr überschaubar. Riester lohnt sich wirklich vor allem für Gutverdiener mit Kindern oder Geringverdiener wegen der Grundzulage. Für einen kinderlosen Studenten? Eher nicht. Die Entscheidung klingt für mich ziemlich rational. Der ETF-Sparplan macht für dich als junger Mensch ohne Steuerlast viel mehr Sinn. ?
MaklerSchreck_Marko
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Re: Endlich Riester gekündigt — Erleichterung pur, aber war es die richtige Entscheidung?

Beitrag von MaklerSchreck_Marko »

bro du studierst Medizin, in 10 Jahren verdienst du als Assistenzarzt 60k+ und dann fangen Riester-Zulagen an wirklich lächerlich zu wirken ? 175€ Grundzulage pro Jahr bei nem Gehalt wo du ordentlich Steuern zahlst... da lacht der ETF. Ich find's immer witzig wie Eltern ihren Kindern Riester aufschwatzen weil sie 1989 gelernt haben "Staatförderung = gut". Die Welt hat sich gedreht, die Produktkosten nicht.
ZinsZwiebel_Zacharias
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Re: Endlich Riester gekündigt — Erleichterung pur, aber war es die richtige Entscheidung?

Beitrag von ZinsZwiebel_Zacharias »

MedizinstudentMax_HH schrieb:ich musste auch den Sonderausgabenabzug teilweise zurückzahlen — oder warte, musste ich das überhaupt? Kurze Ergänzung dazu, weil ich das oben etwas allgemein gelassen habe: "teilweise" ist das richtige Wort. Zurückgefordert wird nur der tatsächlich steuerlich wirksame Teil. Wenn du in manchen Jahren unter dem Grundfreibetrag (2024: 11.604€) lagst und de facto null Einkommensteuer gezahlt hast, gab es auch keine Steuererstattung zu holen — also auch nichts zurückzuzahlen. Du solltest deine Steuerbescheide der letzten vier Jahre kurz checken, was du überhaupt an Erstattung durch den Sonderausgabenabzug bekommen hast. Wenn da wenig steht, ist der Rückforderungsbetrag entsprechend klein.
VersicherungsVerdrossene
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Re: Endlich Riester gekündigt — Erleichterung pur, aber war es die richtige Entscheidung?

Beitrag von VersicherungsVerdrossene »

Noch was zum "Sunk-Cost-Grübeln": Das Geld das du in den vier Jahen an Kosten verloren hast, is weg. Punkt. Die Frage ist nur ob du die nächsten 30 Jahre auch noch drauflegen willst. Klingt nach nem klaren nein von dir und das ist auch die richtige Antwort imho. Das einzige Szenario wo ich sagen würde "hmm vielleicht doch Fehler" wäre wenn du Kinder hast oder planst und die Kinderzulagen (185€ bzw 300€ pro Kind/Jahr für nach 2008 Geborene) den Renditerückstand aufholen. Aber als kinderloser Student? Forget it.
Sparquote_Simone_DO
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Re: Endlich Riester gekündigt — Erleichterung pur, aber war es die richtige Entscheidung?

Beitrag von Sparquote_Simone_DO »

Sorry für Necro, falls das hier schon längst durch ist — aber ich wollte noch einen Punkt loswerden den ich vergessen hatte: Für alle die das hier finden und überlegen ob sie kündigen sollen: Es gibt auch die Option der beitragsfreien Stellung. Man zahlt einfach nichts mehr ein, der Vertrag bleibt bestehen, die angesparte Summe bleibt drin und wird (hoffentlich) weiter verzinst/investiert. Keine Rückforderung von Zulagen, kein schädliches Verwendungsverfahren. Nachteil: Man hat weiter Verwaltungskosten auf dem Restguthaben und kommt erst mit 62+ dran. Für Max war die Kündigung wohl richtig weil der Vertrag noch jung war und kaum Guthaben drin steckte. Bei jemandem der 15 Jahre eingezahlt hat und 20.000€ drin hat, sieht die Rechnung schon anders aus. ?
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